Agenturrecht / Internetrecht / Urheber- und Medienrecht / z_AS_Startseite /
Artikelnummer: 15021819
Trennlinien
KONKLUDENTE EINWILLIGUNG IN DIE VERÖFFENTLICHUNG EINES BILDNISSES IM INTERNET
Der Bundesgerichtshof hat zur konkludenten Einwilligung in die Veröffentlichung eines Bildnisses in einem Eventportal (hier: Foto von einer Hostess, die auf einer Prominentenparty im Auftrag einer Promotion-Agentur Aktionsware (Zigaretten) anbietet) Stellung genommen.
Der Beklagte betreibt ein Internetportal (Eventportal), auf welchem Fotos von Veranstaltungen (insbesondere Partys) gezeigt werden. Die betroffene Hostess beauftragte den Kläger mit der Wahrnehmung ihrer rechtlichen Interessen im Zusammenhang mit der Veröffentlichung eines Fotos auf der Webseite des Beklagten. Das Foto zeigt die Hostessn während ihrer Tätigkeit als Hostess im Auftrag einer Promotion-Agentur auf der Veranstaltung "Casting Company-Abriss-Party", deren Gastgeber der aus der Fernsehserie "Germanys next Topmodel" bekannt gewordene S. war. In der Bildüberschrift wurden noch andere anwesende "Prominente" namentlich genannt. Das beanstandete Bild zeigt die Hostess, wie sie im Auftrag ihres Arbeitgebers einem Gast aus einem Korb Zigaretten anbietet. Nachdem sie ihr Bild auf dem Eventportal entdeckt hatte, forderte der klagende Anwalt in ihrem Auftrag den beklagten Portalbetreiber auf, es zu unterlassen, Bildnisse von seiner Mandantin zu verbreiten. Unter den Umständen des Streitfalles sei bereits von einer konkludenten Einwilligung der Hostess auszugehen, so dass dahinstehen kann, ob die beanstandete Bildveröffentlichung auch ohne Einwilligung der Hostess zulässig gewesen wäre. Sie war von einer Promotion-Agentur damit beauftragt, auf einer Party mit prominenten Gästen als Aktionsware Zigaretten einer bestimmten Marke zum Zwecke der Werbung anzubieten. Dabei war ihr ihrem Arbeitgeber zuvor Informationsmaterial ausgehändigt worden, in welchem ihre Tätigkeit näher beschrieben wurde. Darin findet sich u. a. der Hinweis, es dürften zwar keine Interviews gegeben werden, Fotos seien jedoch erlaubt, eventuelle Kamerateams seien freundlich an die Öffentlichkeitsabteilung ihres Arbeitgebers oder dessen Auftraggebers zu verweisen. Dem Informationsschreiben sind "Beispielbilder für die Fotodokumentation" beigefügt, auf denen lächelnde Hostessen mit Zigarettenkorb zusammen mit anderen Personen für Fotos posieren. Der Hostess müsse danach sowohl durch die Art der Veranstaltung als auch durch die Art ihrer Tätigkeit bewusst sein, dass mit Fotos auch ihrer Person und deren Veröffentlichung zu rechnen und dies aus Werbegründen von ihrem Arbeitgeber und dessen Auftraggeber durchaus erwünscht war. Von letzterem könnten aufgrund der äußeren Umstände auch Medienvertreter, die auf der Veranstaltung anwesend waren, ausgehen. Sie könnten die Tätigkeit der Hostess unter den Umständen des Streitfalles nur dahin verstehen, dass sie mit Fotos und deren Veröffentlichung im Interesse des Auftraggebers einverstanden war.

Quelle: Bundesgerichtshof von 11.11.2015
http://www.bundesgerichtshof.de Externer Link
ArtikelübersichtFacebookNach oben