Miet- und Wohnungseigentumrecht / Niedersachsen /
Artikelnummer: 14100509
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ES BRUMMT - ABER NICHT ZU LAUT
Das Amtsgericht Hannover hat einen Mieter zur Zahlung von einbehaltener Restmiete verurteilt und eine Widerklage auf Mietminderung abgewiesen.
Die Klägerin ist Vermieterin, der Beklagte Mieter einer im Heideviertel gelegenen Wohnung. Die monatliche Warmmiete beträgt 517,78 €. Im Frühjahr 2012 und mit diversen Folgeschreiben bemängelte der beklagte Mieter, dass in der Wohnung ein „sich in Intervallen wiederholendes brummendes Geräusch" zu hören sei. Mitarbeiter der Vermieterin gingen den Anzeigen des Beklagten nach, stellten jedoch keine Geräusche fest. Für die Monate April und Mai 2013 minderte der beklagte Mieter dann die Miete um jeweils 56,52 €. Er behauptet, insbesondere in Heizperioden sei in der Wohnung ein sich wiederholendes Brummen zu hören, während der Nachtabsenkung der Heizung in stündlicher Abfolge für etwa 3 Minuten, in Heizzeiten alle 2 bis 3 Minuten. Der beklagte Mieter wurde nun verurteilt, die einbehaltene Miete iHv. 113,04 € an die Vermieterin zu zahlen. Das Gericht hat ein Sachverständigengutachten eines Akustikers eingeholt, der ein wiederholt auftretendes Geräusch in der Wohnung des Beklagten bestätigt hat. Es handele sich demnach um ein sehr leises Geräusch, das nur hörbar ist, wenn der Hintergrundpegel sehr niedrig ist. Der Pegel liege weit unter dem nach DIN 4109 geforderten Pegel für haustechnische Anlagen. Danach sei das vorhandene Geräusch kein Mangel i.S. des § 536 Abs. 1 BGB. Für das Gericht ist es „ohne weiteres nachvollziehbar, dass sich der Beklagte durch das Geräusch gestört fühlt, da auch geringe Geräusche abhängig von der gegebenen Situation und der individuellen Konstitution des Hörenden als störend empfunden werden können." Allerdings könne ein derartiges Geräusch, das weit unter den Werten der DIN 4109 liegt, keine Mietminderung auslösen. In Wohnungen seien Geräusche allgegenwärtig, dies gelte nicht nur für Vogelgezwitscher oder Straßengeräusche, sondern auch für Strömungs- und Schaltgeräusche von Heizungsanlagen, ebenso wie für Laufgeräusche und Lebensäußerungen anderer Menschen in einem Mehrfamilienhaus.

Quelle: Amtsgericht Hannover - PM vom 02.10.2014 von 01.10.2014
http://www.amtsgericht-hannover.niedersachsen.de/ Externer Link
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