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Artikelnummer: 14092832
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ILLEGALER INTERNETHANDEL MIT BETÄUBUNGS- UND DOPINGMITTELN AUFGEDECKT - STAATSANWALTSCHAFT VERDEN ERHEBT ANKLAGE GEGEN FÜNF MÄNNER
Fünf 24 bis 52 Jahre alte Männer aus Nord- und Westdeutschland sollen in der Zeit von November 2011 bis März 2013 im Internet unter anderem über das Cardingboard CRDcc.cc Betäubungs- und Dopingmittel deutschlandweit vertrieben und mit gestohlenen Kreditkartendaten Waren bestellt haben. Gegen die Tatverdächtigen hat die Staatsanwaltschaft Verden Anklage bei dem Landgericht Verden erhoben.
In der 98-seitigen Anklageschrift werden den Angeklagten insgesamt 83 Taten in wechselnder Beteiligung vorgeworfen. Überwiegend sind die Angeklagten des Handeltreibens mit und Erwerbs von Betäubungsmitteln verdächtig. Alleine dem 24-jährigen mutmaßlichen Haupttäter und Betreiber des Cardingboards werden mit der Anklageschrift 80 Taten des Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in geringer und nichtgeringer Menge, des Handels mit Dopingmittel, des Betruges und des Computerbetruges vorgeworfen. Der Haupttatverdächtige soll in dem Cardingboard CRDcc.cc mehrere Themengruppen (sog. Threads) betrieben haben, in denen gezielt Betäubungsmittel zum Kauf angeboten wurden. Der eigentliche Kauf sei dann über persönliche Nachrichten (PN) und über Chatprogramme wie ICQ erfolgt. Die Bezahlung der Waren (Marihuana und Haschisch unterschiedlicher Qualitäten, Kokain und Amphetamin) soll über anonyme virtuelle Zahlungsmittel wie Paysafecard oder Ukash erfolgt sein. Die Anleitung dazu erfolgte wie die Darstellung des Lieferweges in dem Cardingboard selbst. Der Haupttatverdächtige soll den Handel organisiert und geleitet haben und er soll unter seinem Pseudonym eine bekannte Größe der Underground Economy gewesen sein. Er konnte nur aufgrund jahrelanger intensiver Ermittlungen der Cybercrime-Spezialisten der Polizeidirektion Hannover in Tschechien, wo er unter einer falschen Identität lebte, aufgespürt werden. Seine Festnahme erfolgte in enger Zusammenarbeit mit der tschechischen Polizei. 44 Fälle des Handeltreibens mit Betäubungsmitteln sollen nach der Anklageschrift in der Zeit von November 2011 bis Juli 2012 erfolgt sein. Die Mittäter dürften die eigentlichen Verkäufe, die Lagerhaltung, Verpackung und Versand ausgeführt haben. Der Verkauf soll an Zwischenhändler erfolgt sein. Nachdem im Sommer 2012 zwei der Mittäter in einem anderen Ermittlungsverfahren verhaftet worden waren, soll der Haupttatverdächtige zunächst seinen Handel alleine fortgesetzt haben, bis er, so die Anklagevorwürfe, zwei weitere Tatverdächtige für seinen illegalen Handel mit Betäubungsmitteln in 18 Fällen gewinnen konnte. Bei Durchsuchungen wurden insgesamt ca. 21 kg Haschisch und Marihuana, ca. 4 kg Amphetamin, 14,89 g Kokain und 1.102 Ecstasy-Tabletten aufgefunden. Die Umsätze im Drogenhandel dürften insgesamt bei ca. 400.000 EUR gelegen haben. Neben dem BtM-Handel soll der Haupttatverdächtige seit September 2012 über einen Webshop Dopingmittel (anabole Steroide und Wachstumshormone) vertrieben haben. In weiteren 17 Fällen wird dem Haupttatverdächtigen in der Anklageschrift vorgeworfen, unter falschen Personalien mit gestohlenen Kreditkartendaten Elektronikgeräte der Fa. Apple im Internet bestellt und ohne zu bezahlen erhalten zu haben. Alleine dadurch dürfte ein Schaden in Höhe von ca. 13.000 EUR entstanden sein. Der Haupttatverdächtige befindet sich derzeit in Strafhaft in anderer Sache. Drei der Mittäter wurden zunächst in Untersuchungshaft genommen. Sie befinden sich wieder auf freiem Fuß. Sie haben vollständig oder teilweise die Taten gestanden, ein Angeschuldigter schweigt zu den Vorwürfen. Der Haupttatverdächtige hat gegenüber der Polizei Angaben gemacht, ohne die Taten einzuräumen. Zum Hintergrund: Der illegale Internethandel (Underground Economy, Dark Market) erfolgt derzeit überwiegend über sog. Cardingbords, vergleichbar mit Newsgroups mit geschlossenem Benutzerkreis, in den neue Personen nur über Empfehlungen aufgenommen werden. Hier werden bevorzugt illegale Waren und Dienstleistungen aller Art zumeist gegen virtuelle Währung angeboten. Ursprünglich dienten diese Plattformen dem Handel mit gestohlenen Identitäten, z.B. ausgespähten Kreditkartendaten (Cards). Mit den fremden Identitäten werden dann Waren und Dienstleistungen im Internet bestellt (sog. Carding). In jüngerer Zeit hat sich mit Hilfe dieser Cardingboards der illegale Drogenhandel in das Internet verlagert. Da die Betreiber und Nutzer der Cardingboards nur über ihre Nicknames auftreten, waren Ermittlungen in diesem Deliktsbereich bisher extrem schwierig. Um den gestiegenen Anforderungen an die Ermittlungen zu entsprechen, wurden bei der Polizei und den Staatsanwaltschaften Spezialabteilungen zur Bekämpfung der Internetkriminalität eingerichtet.

Quelle: Staatsanwaltschaft Verden - PM 09/14 vom 07.08.2014 von 07.08.2014
http://www.staatsanwaltschaften.niedersachsen.de Externer Link
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