E-Commerce / Internetrecht / Rheinland-Pfalz /
Artikelnummer: 14050348
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TEURES KOMMA
Um die Rückzahlung von 990,-- € aus einem Internetgeschäft ging es in einem Zivilverfahren vor dem Amtsgericht Trier.
Für 9,50 € hatte die Klägerin eine gebrauchte Kinderhose über eine Internetplattform gekauft und wollte dann 10,00,-- € an die Beklagte überweisen. Sie füllte daraufhin handschriftlich einen Überweisungsträger für ihre Bank aus, wobei das Komma unter die Betragszeile geriet. Bei der automatischen Einlesung des Überweisungsauftrages wurde das Komma nicht erfasst. So wurde an die beklagte Verkäuferin ein Betrag von 1.000,-- € überwiesen. Nachdem diese den Zahlungseingang bemerkt hatte, schrieb sie eine E-Mail an die klagende Käuferin mit folgendem Inhalt: "Hallo, die Zahlung ist eingegangen, allerdings haben sie sich vertan. Sie haben mir statt 9,50 Euro, sage und schreibe 1.000 Euro überwiesen. Wenn ich das nicht als Trinkgeld verstehen soll, schicken Sie mir doch bitte Ihre Bankverbindungsdaten, damit ich Ihnen das Geld zurücküberweisen kann;-) Liebe Grüße“ Die klagende Internet-Käuferin, die diese E-Mail wohl nicht richtig gelesen hat, antwortete: „Nein, das passt schon so ;-)“ Die beklagte Verkäuferin bedankte sich noch einmal mit den Worten: „Hallo nochmal, Ich bin gerade ein wenig sprachlos über soviel Großzügigkeit. Ich meine, ich will mich nicht beklagen, ich bin eine arme Studentin und kann das Geld wirklich gut gebrauchen. Aber darf ich den Grund für ihre Großzügigkeit erfahren? Liebe Grüße“ Nachdem die klagende Käuferin dann ihren Kontoauszug eingesehen hatte, forderte sie von der Beklagten Zahlung eines Betrages von 990,-- €. Sie meinte, die beklagte Verkäuferin habe nicht ernsthaft davon ausgehen können, dass jemand 1.000,-- € für eine gebrauchte Kinderhose zahle, obwohl der Kaufpreis bei 9,50 € gelegen habe. Die beklagte Verkäuferin machte geltend, sie habe den unverhofften Geldsegen in den nächsten Tagen für außergewöhnliche Dinge verwendet (Kleidung, Pflegeprodukte, Essen pp.). Die zuständige Richterin gelangte zu dem Ergebnis, dass es letztlich darauf ankomme, inwieweit die beklagte Internet-Verkäuferin sich auf eine Entreicherung berufen könne. Die Parteien haben sich daraufhin auf eine Rückzahlung knapp der Hälfte des eingeklagten Betrages verständigt und so eine Beweisaufnahme hinsichtlich der einzelnen Anschaffungen der Beklagten vermieden.

Quelle: Amtsgericht Trier - PM vom 12.03.2014 von 12.03.2014
http://www.mjv.rlp.de/Gerichte/Ordentliche-Gerichte/Amtsgerichte/Trier/ Externer Link
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