Wettbewerbs- und Kartellrecht /
Artikelnummer: 14031628
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DAS EUROPÄISCHE GERICHT SETZT DIE GELDBUßEN HERAB, DIE GEGEN INNOLUX UND LG DISPLAY WEGEN IHRER BETEILIGUNG AN DEM KARTELL AUF DEM MARKT FÜR LCD-BILDSCHIRME VERHÄNGT WURDEN.
Die Geldbuße wird für InnoLux von 300 Millionen auf 288 Millionen Euro und für LG Display von 215 Millionen auf 210 Millionen Euro herabgesetzt.
Mit Beschluss vom 8. Dezember 20101 verhängte die Europäische Kommission gegen sechs koreanische und taiwanesische Hersteller von Bildschirmen mit Flüssigkristallanzeige (LCD) Geldbußen in Höhe von insgesamt 648,925 Millionen Euro. Sie warf ihnen vor, in der Zeit von Oktober 2001 bis Februar 2006 ein Kartell gebildet zu haben. Die LCD-Bildschirme sind Hauptbestandteil von Flachbildschirmen, die in Fernsehgeräten und elektronischen Notebooks verwendet werden. Die höchsten Geldbußen wurden gegen InnoLux und LG Display verhängt, nämlich 300 Millionen bzw. 215 Millionen Euro. Die beiden Unternehmen erhoben beim Europäischen Gericht Klagen auf Nichtigerklärung des Beschlusses der Europäischen Kommission sowie, hilfsweise, auf Herabsetzung der verhängten Geldbußen. Mit seinen Urteilen weist das Europäische Gericht die Mehrzahl der Argumente von InnoLux und LG Display zurück und bestätigt im Wesentlichen den Beschluss der EU-Kommission. Dennoch setzt es die gegen die einzelnen Unternehmen verhängten Geldbußen geringfügig herab. In Bezug auf InnoLux stellt das Europäische Gericht fest, dass dem Unternehmen bei der Lieferung der für die Berechnung des relevanten Umsatzes erforderlichen Daten an die Kommission Fehler unterlaufen waren: Das Unternehmen hatte darin nämlich die Verkäufe von anderen Produkten als kartellbefangenen LCD einbezogen. Die Europäische Kommission bestätigte vor dem Gericht, dass diese Produkte nicht in die Berechnung hätten einbezogen werden dürfen. Die Fehler seien darauf zurückzuführen, dass InnoLux gegenüber den externen Beratern, die sie mit der Berechnung der an die Kommission zu übermittelnden Daten beauftragt hatte, nicht die spezifischen Merkmale bestimmter LCD dargelegt hatte. Der von der EU-Kommission für die Berechnung der Geldbuße verwendete Umsatz sei demnach zu hoch. Das Europäische Gericht ist in Ausübung seiner Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung daher der Ansicht, dass die Geldbuße auf der Grundlage des nach unten korrigierten Umsatzes zu berechnen ist, obwohl InnoLux bei der Lieferung der falschen Daten an die EU-Kommission fahrlässig gehandelt hatte. Diese Fahrlässigkeit genüge nicht, um anzunehmen, dass InnoLux derart gegen ihre Pflicht zur Zusammenarbeit verstoßen hat, dass dies bei der Festsetzung der Geldbuße zu ihren Lasten zu berücksichtigen ist. Gemäß derselben Methode, wie sie die Europäische Kommission in dem Beschluss angewandt hat, beträgt die neue so festgesetzte Geldbuße daher anstelle von 300 Millionen 288 Millionen Euro. In Bezug auf LG Display hat die EU-Kommission nur einen Fehler bei der Festsetzung der Geldbuße begangen, indem sie nämlich bei der Berechnung des Durchschnittsumsatzes den Monat Januar 2006 berücksichtigt hat. Da die Europäische Kommission LG Display gemäß der Kronzeugenregelung3 für die Bereitstellung von Informationen über das Kartell einen Teilerlass für den Monat Januar 2006 gewährt hat, hätte dieser Zeitraum bei allen Schritten der Berechnung der Geldbuße ausgeschlossen werden müssen. Mit dem Ausschluss des Monats Januar 2006 nicht nur von dem Koeffizienten für die Dauer des Verstoßes, sondern auch von der Berechnung des Durchschnitts des relevanten Umsatzes ist die gegen LG Display verhängte Geldbuße somit von 215 Millionen auf 210 Millionen Euro herabzusetzen.

Quelle: Gericht der Europäischen Union - PM 29/14 vom 27.02.2014 von 27.02.2014
http://curia.europa.eu/ Externer Link
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