Bau- und Architektenrecht / Rheinland-Pfalz / Verwaltungsrecht /
Artikelnummer: 13110323
Trennlinien
DENKMALZONE 'THEODOR-HEUSS-STRAßE' IN NEUSTADT: EINFLÜGELIGE HOLZFENSTER OHNE SPROSSEN ZULÄSSIG
Der Eigentümer eines Fachwerkhauses in der Denkmalzone „Theodor-Heuss-Straße“ in Neustadt muss keine zweiflügeligen Holzfenster mit echtem Wetterschenkel und mindestens zwei Sprossen je Flügel einbauen, sondern darf einflügelige Holzfenster ohne Sprossen verwenden. Dies hat das Verwaltungsgericht Neustadt entschieden.
Die Denkmalzone „Theodor-Heuss-Straße“ im Neustadter Ortsteil Lachen-Speyerdorf dient nach der ihr zugrunde liegenden Rechtsverordnung der Erhaltung des diesen Bereich kennzeichnenden Straßen- und Ortsbildes mit den zugehörigen Haken- und Dreiseithöfen sowie der ein- bis zweigeschossigen Fachwerkhäuser einschließlich ihrer Scheunen und Gärten. Der Kläger ist Eigentümer eines alten Fachwerkhauses, welches in der Denkmalzone liegt. Im Jahr 2012 stellte er bei der Stadt einen Antrag auf Genehmigung der baulichen Sanierung des straßenseitigen Fachwerkgiebels. U. a. sollen anstelle der im 1. Obergeschoss vorhandenen zwei unterschiedlich großen Fenster drei gleich große schmale Fenster in regelmäßigen Abständen zwischen die Ständer des Fachwerks eingepasst werden. Hierbei soll es sich um einflügelige Holzfenster ohne Sprossenunterteilung handeln. Die Stadt genehmigte die beantragte Instandsetzung des Fachwerkgiebels, machte jedoch die von ihrer Unteren Denkmalschutzbehörde verlangte Verwendung von zweiflügeligen Holzfenstern mit echtem Wetterschenkel und mindestens zwei Sprossen (als sog. Wiener Sprosse) je Flügel zur Auflage. Nach erfolglosem Widerspruchsverfahren erhob der Eigentümer hiergegen Klage beim Verwaltungsgericht. Diese hatte Erfolg. Zur Begründung führen die Richter in ihrer Entscheidung aus, dass dem Einbau der vom klagenden Hauseigentümer vorgesehenen Fenster aus denkmalschutzrechtlicher Sicht keine Gründe entgegenstünden. Schutzzweck der Denkmalzone sei die Erhaltung der Gebäudeformen und der Anordnung der historischen Bebauung, die das Straßen- und Ortsbild kennzeichne. Konkrete Details einzelner untergeordneter Bauteile der Häuser oder Gehöfte seien hingegen nicht erfasst. Das Haus des Klägers gehöre zu den in dem geschützten Straßenzug vorhandenen Fachwerkhäusern mit straßenseitigem Giebel. Es gestalte von Baukörper und Dachform her die Zone nicht unerheblich mit. Diese maßgebenden Umstände blieben jedoch auch künftig erhalten. Die Änderung betreffe zwar die straßenseitige Giebelwand des Fachwerkhauses, verändere aber weder deren Form noch Substanz. Hinzu komme, dass eine einheitliche, historisch korrekte oder der Korrektheit angenäherte Fenstergestaltung bei den zahlreichen Gebäuden, die zur Denkmalzone gehörten, nicht vorhanden sei. Bei mehr als 60 Gebäuden gebe es nur einige wenige mit Fenstern der geforderten Ausführung. Gerade auch bei den Fachwerkhäusern fänden sich ganz unterschiedliche Fensterformen. Die für das Haus des Klägers geplanten Fenster seien innerhalb der Denkmalzone nicht ungewöhnlich, sondern entsprächen der dort überwiegend vorhandenen Art der Fenstergestaltung. Sie würden nicht als Fremdkörper empfunden werden, sondern gar nicht auffallen.

Quelle: Verwaltungsgericht Neustadt - PM 38/13 vom 23.10.2013 von 24.09.2013
http://www.mjv.rlp.de/Gerichte/Fachgerichte/Verwaltungsgerichte/VG-Neustadt/ Externer Link
ArtikelübersichtFacebookNach oben