Baden-Württemberg / Strafrecht /
Artikelnummer: 13092222
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FREIHEITSSTRAFE FÜR VERGEWALTIGER
Das Landgericht Freiburg hat einen 24 Jahre alten Mann wegen einer in den Abendstunden des 08.03.2013 in Freiburg begangenen Vergewaltigung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und elf Monaten verurteilt.
Nach den Feststellungen der Richter kannten der Angeklagte und die damals noch 15jährige Schülerin und spätere Geschädigte sich bis zum Tatabend nicht. Beide waren vielmehr mit jeweils Gleichaltrigen unterwegs gewesen, bevor sich die beiden Personengruppen an einer Straßenbahnhaltestelle im Freiburger Westen begegneten. Die 15jährige schloss sich dem Angeklagten und seinen Begleitern spontan an und folgte ihnen in eine Unterführung im Bereich des an der Berliner Allee gelegenen Telekom-Geländes. Dort hörte die Gruppe gemeinsam Musik, der Angeklagte trank mehrfach vom mitgebrachten Wodka, das Mädchen nahm einige Züge aus einem herumgereichten Joint. Als die Schülerin nach kurzer Zeit wieder zu ihren ursprünglichen Begleitern zurück kehren wollte, folgte ihr der Angeklagte über den weitläufigen Parkplatz des Telekom-Gebäudes, brachte sie bei der Überquerung eines kleinen Zauns gewaltsam zu Boden und hielt sie dort fest. Auf Hilfeschreie der Geschädigten reagierte der Angeklagte mit Todesdrohungen. Nachdem der Angeklagte das Mädchen auf diese Weise unter seine Kontrolle gebracht hatte, drang er in der Folge mehrfach in sie ein. Nach einigen Minuten ließ er von ihr ab, so dass die Geschädigte fliehen konnte. Kurze Zeit später konnte die Polizei verständigt werden. Der Angeklagte legte im Prozess ein umfassende Geständnis ab und räumte die Tatvorwürfe aus der Anklageschrift ohne Einschränkungen ein. Das mittlerweile 16jährige Opfer war im Prozess als Nebenklägerin beteiligt und anwaltlich vertreten. Ihr war es wichtig, in öffentlicher Hauptverhandlung zu den Folgen der Tat auszusagen, insbesondere zu den noch bestehenden erheblichen psychischen Beeinträchtigungen. Allerdings wollte sie es möglichst vermeiden, zu den Einzelheiten der sexuellen Handlungen auszusagen und befragt zu werden. Dieser Wunsch war für das Landgericht der wesentliche Beweggrund für eine Verständigung mit der Staatsanwaltschaft und dem Angeklagten, wonach bei einem umfassenden Geständnis, das eine solche Befragung des Opfers erspart, eine Strafe von 2 Jahren und elf Monaten nicht überschritten wird. Bei der Strafzumessung ist ein Geständnis grundsätzlich strafmildernd zu berücksichtigen. Im Strafprozess haben auch Belange des Opferschutzes wesentliches Gewicht. Im Hinblick auf die erheblichen psychischen Beschwerden der Geschädigten seit der Tat hielt es die Kammer jedoch für angemessen, die vereinbarte Strafobergrenze voll auszuschöpfen und den Angeklagten zu der annähernd dreijährigen Haftstrafe zu verurteilen.

Quelle: Landgericht Freiburg - PM vom 10.09.2013 von 10.09.2013
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