Bau- und Architektenrecht / Niedersachsen / Verwaltungsrecht /
Artikelnummer: 13063025
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SCHEITERT TEILUMRÜSTUNG AUF HISTORISCHE FENSTERFORM AN MATERIALFRAGE?
Das Verwaltungsgericht Hannover beschäftigt sich mit einem denkmalschutzrechtlichen „Klassiker". Es geht um die Frage, ob im Zuge eines geplanten Austausches von vorhandenen, nicht denkmalgerechten Fenstern an denkmalgeschützten Häusern vom Eigentümer verlangt werden kann, das ursprünglich für die Fensterrahmen genutzte Material (Holz) zu verwenden, oder ob stattdessen auch Kunststoffrahmen verwendet werden dürfen, wenn die neuen Fenster in ihrem optischen Erscheinungsbild den Originalfenstern gleichen.
Im zu verhandelnden Fall will der Eigentümer eines 1930 errichteten, denkmalgeschützten Hauses am Geibelplatz in Hannover einen Teil der derzeit vorhandenen, aus den 1970/80er Jahren stammenden Fenster ersetzen, die nur eine einfache Unterteilung aufweisen. Die neuen Fenster sollen die ursprüngliche aufwändige Sprossenunterteilung erhalten, aber anders als die historische Ausstattung nicht in Holz, sondern in Kunststoff ausgeführt werden. Die beklagte Landeshauptstadt hat die dafür erforderliche (denkmalschutzrechtliche) Genehmigung versagt. Das vom Gericht beteiligte Landesamt für Denkmalpflege hat in einer Stellungnahme die besondere Bedeutung der Fenster für die Fassadengestaltung betont, aber darauf hingewiesen, dass bei Siedlungsbauten, die wie in diesem Fall eher im Zusammenhang mit ihrer städtebaulichen Wirkung und Bedeutung geschützt sind, vom denkmalfachlichen Paradigma der Materialgerechtigkeit abgewichen werden könne. Entscheidend sei vielmehr, dass kein störendes Materialpatchwork oder eine unruhige Vielfalt unterschiedlicher Fensterformen entstehe. Dabei komme es auch auf Details an. So wiesen moderne Kunststofffenster oft störende schwarze Dichtungsbänder auf.

Quelle: Verwaltungsgericht Hannover - PM vom 21.06.2013 von 25.06.2013
http://www.verwaltungsgericht-hannover.niedersachsen.de/ Externer Link
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