Niedersachsen / Strafrecht /
Artikelnummer: 13052606
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STRAFVERFAHREN WEGEN TÖTUNG EINER 22-JÄHRIGEN IN DÖRPEN - HAFTBEFEHL GEGEN ANGEKLAGTEN VATER AUFGEHOBEN
Das Landgericht Osnabrück hat in dem Prozess wegen der Tötung einer Frau aus Dörpen die Beweisaufnahme geschlossen.
Der Haftbefehl gegen den 71-jährigen Vater wurde aufgehoben. Nach Ansicht der Richter ist aufgrund der Beweisaufnahme der dringende Tatverdacht gegen ihn entfallen, weil es konkrete Zweifel an einer Tatbegehung durch den Vater gebe. Es könne nicht sicher ausgeschlossen werden, dass der Ehemann seine Ehefrau spontan erwürgt habe. Der Ehemann könnte möglicherweise aufgrund eines Streites Angst davor gehabt haben, bei seiner drohenden Rückkehr in die Türkei auch seinen Sohn zu verlieren. Der in dem Prozess als Gutachter gehörte Ethnologe hatte zuvor ausgeführt, dass ein Mord nur eine Möglichkeit zur Wiederherstellung der Familienehre gewesen wäre. Es hätte aber auch noch andere Varianten für die Familie gegeben, beispielsweise die Verbannung der Tochter aus der Familie oder deren öffentliche Trennung und Scheidung vom Ehemann. Ein Vertrauter der Familie hatte als Zeuge ausgesagt, dass der Vater sich mit einer Scheidung einverstanden erklärt hatte, über den Verbleib des gemeinsamen kleinen Sohnes sei aber nicht gesprochen worden. Der Ehemann bleibt weiter in Untersuchungshaft. Statt einer Verurteilung wegen Mordes zur Wiederherstellung der Familienehre könnte ihm eine Verurteilung wegen Totschlags drohen. Totschlag wird mit Freiheitsstrafe bis zu 15 Jahren bestraft.

Quelle: Landgericht Osnabrück - PM 28/2013 vom 22.05.2013 von 20.06.2013
http://www.landgericht-osnabrueck.niedersachsen.de/ Externer Link
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