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Artikelnummer: 13032351
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PRESSERAT RÜGT VERÖFFENTLICHUNGEN VON FOTOS
Die drei Beschwerdeausschüsse des Deutschen Presserats tagten in Berlin und sprachen insgesamt 8 Rügen aus.
BILD Online erhielt eine öffentliche Rüge für die Berichterstattung über ein Unfallopfer: Ein Hubschrauberpilot war über einer Autobahn abgestürzt und bei dem Unfall ums Leben gekommen. Illustriert war der Artikel mit einem Foto des Mannes, das im Stil einer Collage vor das Bild der Absturzstelle montiert war. Der Ausschuss sah darin einen schweren Verstoß gegen Ziffer 8, Richtlinie 8.1, Absatz 2 des Pressekodex. Danach ist die Identität der Opfer von Unglücksfällen besonders zu schützen. Das Foto des Mannes hätte nicht ohne Einwilligung der Hinterbliebenen und schon gar nicht in einer solchen Fotomontage gezeigt werden dürfen. Der Schutz der Privatheit überwog hier deutlich das öffentliche Interesse. Eine weitere Rüge für die Darstellung eines Unfallopfers erhielt die BILD-Regionalausgabe Hamburg (print). Ein 20-Jähriger war mit seinem Auto gegen einen Baum geprallt und bei dem Unfall ums Leben gekommen. Die Zeitung zeigte ein Porträtfoto des Verstorbenen. Ebenfalls öffentlich gerügt wurde BILD Online wegen der Berichterstattung über den Tod einer 47-jährigen Frau, die als „Nymphomanin“ bezeichnet wurde. In dem Beitrag fragt der Autor, ob „Dauersex – in Verbindung mit Alkohol und Drogen“ die Todesursache sein könne. Der Artikel enthält ein Foto der Toten und nennt ihren abgekürzten Namen, Spitznamen und ihr Alter. Der Ausschuss erkannte darin einen schweren Verstoß gegen Richtlinie 8.1, Absatz 2 des Pressekodex. Eine Rüge erhielt BILD Online zudem für die Berichterstattung über einen Autounfall mit sechs Toten. Ein Mann war aus noch ungeklärten Gründen in verkehrter Richtung auf die Autobahn aufgefahren und mit einem Taxi kollidiert. In zwei Artikeln wurden Vorname und abgekürzter Nachname des Unfallverursachers genannt sowie persönliche Details aus seinem Leben; außerdem wurde ein Foto des verstorbenen Geisterfahrers veröffentlicht. Damit verstieß die Zeitung gegen die Ziffer 8, Richtlinie 8.1, Absatz 1 des Pressekodex. Der Ausschuss rügte BILD/BILD Online für die Berichterstattung über den Prozess gegen einen 76-jährigen Mann, der seine Frau mit einer Axt erschlagen hatte. Das Gericht hatte festgestellt, dass er aufgrund von Demenz und wahnhafter Psychose nicht schuldfähig war. In der Berichterstattung waren Fotos von Opfer und Täter gezeigt worden. Darin sah der Ausschuss einen schweren Verstoß gegen Richtlinie 8.1 des Pressekodex. Gegen die Veröffentlichung des Täterfotos sprach aus presseethischer Sicht besonders seine Schuldunfähigkeit. Schmuckkollektion eines Promis beworben Wegen einer Verletzung des Trennungsgrundsatzes (Ziffer 7 Pressekodex) wurde IN – DAS STAR & STYLE MAGAZIN gerügt. Die Zeitschrift hatte einen Beitrag über den Besuch von Barbara Becker, der Ex-Frau von Boris Becker, in der Redaktion veröffentlicht. In diesem Zusammenhang wurde auch eine Schmuckkollektion von Barbara Becker vorgestellt. Beschrieben wurden die Schmuckstücke mit Formulierungen wie „Design für die Sinne“, „Zaubert einen Hauch Magie in den Alltag“ und „Davon kann Frau nie genug bekommen“. Zudem wurden Fotos der Objekte veröffentlicht, Preise und eine Bezugsquelle genannt. Mit dieser Darstellung sah der Beschwerdeausschuss die Grenze zur Schleichwerbung nach Richtlinie 7.2 deutlich überschritten. Die detaillierten Angaben zu den Schmuckstücken und die werblichen Formulierungen sind nicht mehr durch ein öffentliches Interesse gedeckt. Beschwerde von „Pussy Riot“ unbegründet Die Beschwerde von Nadezhda Tolokonnikova, Mitglied der russischen Band „Pussy Riot“, gegen einen Beitrag in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN SONNTAGSZEITUNG (FAS) bewertete der Ausschuss als unbegründet. Ein Verstoß gegen die journalistische Sorgfaltspflicht nach Ziffer 2 des Pressekodex lag nicht vor. Die Zeitung hatte einen kritischen Beitrag über die Aktivistengruppe „Pussy Riot“ veröffentlicht und unter anderem berichtet, dass die Aktionskünstlerin die elterliche Wohnung im Streit habe verlassen müssen und ihre kleine Tochter von einem Tisch gefallen sei. Der Autor verglich die Aktivistengruppe wegen ihrer Provokationen sowie unter dem Vorwurf der Instrumentalisierung eigener Kinder bzw. mangelnder Rücksicht auf sie mit der ersten Generation der RAF. Tolokonnikova hatte beim Presserat die Darstellungen als sachlich unzutreffend und den Vergleich mit der RAF als ehrverletzend kritisiert. Der Ausschuss bewertete den RAF-Vergleich als zulässige Meinungsäußerung. Die Schilderung der Streitigkeiten mit den Eltern und des Sturzes der Tochter beurteilte er als hinreichend belegt. Die FAS legte als Quellen den Blog eines der Aktivisten und ein Radiointerview des Vaters der Betroffenen vor. Angesichts des Umstands, dass Pussy Riot abgesehen von dem Blog keine offiziellen Statements veröffentlicht und sich auch nicht von den Blog-Veröffentlichungen distanziert hatte, war der Ausschuss der Ansicht, dass die Quellenlage der FAS ausreichend war. Datenschutz gravierend verletzt Der Ausschuss für den Redaktionsdatenschutz sprach zwei nicht-öffentliche Rügen gegen die SÄCHSISCHE ZEITUNG sowie gegen die MITTELBAYERISCHE ZEITUNG und deren Online-Ausgabe aus. Die SÄCHSISCHE ZEITUNG hatte über Missstände bei der Vergabe von Gesundheitsbescheinigungen in einer Kleinstadt berichtet. In dem Artikel war eine Originalbescheinigung des Gesundheitsamtes abgedruckt. Diese enthielt den Namen einer diensthabenden Ärztin. Der Beschwerdeausschuss sah in der Namensnennung einen schweren Verstoß gegen den redaktionellen Datenschutz nach Ziffer 8 des Pressekodex. An der Berichterstattung über den Missstand an sich besteht ein öffentliches Interesse, an der Identifizierung einer einzelnen Mitarbeiterin des Amtes hingegen nicht. Die MITTELBAYERISCHE ZEITUNG hatte in der Print- und Online-Ausgabe über eine Rüge des bayerischen Datenschutzbeauftragten berichtet. Dieser hatte eine Pressemitteilung einer nicht näher bezeichneten Gemeinde beanstandet. Darin waren die Namen dreier Personen genannt, die für den überwiegenden Teil von Beschwerden an die Kommunalaufsicht verantwortlich seien. In der Berichterstattung legte die Zeitung offen, um welche Gemeinde es sich handelte, und nannte die Namen der drei Personen. Damit wiederholte sie den Datenschutzverstoß. Der Beschwerdeausschuss sah darin eine schwere Verletzung des redaktionellen Datenschutzes nach Ziffer 8 des Pressekodex.

Quelle: Deutscher Presserat - PM vom 15.03.2013 von 15.03.2013
http://www.presserat.info/ Externer Link
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