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Artikelnummer: 13012020
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SCHLAFVERBOT IM WOCHENENDHAUSGEBIET FALKENSTEIN AUFGEHOBEN
Zu Unrecht hat die Kreisverwaltung Donnersbergkreis gegenüber einem Bürger, der im Wochenendhausgebiet von Falkenstein ein Gebäude besitzt, die vorübergehende Nutzung zu Übernachtungszwecken untersagt. Das hat das Verwaltungsgericht Neustadt entschieden.
Der Antragsteller ist Eigentümer eines Häuschens im Wochenendhausgebiet von Falkenstein. Für dieses wurden auf der Grundlage einer Baupolizeiverordnung aus dem Jahre 1961, die in den 80-er Jahren außer Kraft trat, zahlreiche Baugenehmigungen zur Errichtung von Wochenendhäusern ausgesprochen. Die Baugenehmigungen wurden unter der Bedingung erteilt, dass die damals beigefügte Baupolizeiverordnung über die Ausweisung eines Baugebietes als Wochenendgebiet Falkenstein vom 20. Juni 1961 zu beachten und einzuhalten sei. Danach durften nur Grundstücke bebaut werden, zu denen eine dauernde Zufahrtsmöglichkeit für Feuerlöschfahrzeuge bei jedem Wetter bestand. Die Kreisverwaltung Donnersbergkreis hatte dem Antragsteller im Oktober 1970 eine Baugenehmigung zur Errichtung eines Wochenendhauses erteilt. Eine Überprüfung des bestehenden Wegenetzes im Wochenendhausgebiet Falkenstein im Sommer 2011 ergab jedoch, dass nur wenige Wege eine Erreichbarkeit der Grundstücke gewährleisteten. In der Folgezeit wurden viele Wege durch Freischnitt und Aufbringen einer Schotterdecke befahrbar hergestellt. Nach einem Brand im Wochenendhausgebiet Falkenstein im Oktober 2012 kam die Verbandsgemeindeverwaltung Winnweiler aufgrund der gemachten Erfahrungen während des Löscheinsatzes zu dem Schluss, dass für zahlreiche Grundstücke in dem Gebiet wegen der schlechten Wegebeschaffenheiten kein effektiver Brandschutz gewährleistet werden könne, da diese Grundstücke für Feuerwehrfahrzeuge mit einer Achslast von 10 Tonnen und einem Gesamtgewicht von 16 Tonnen nicht bei jeder Witterung erreichbar seien. Ein Transport von Löschwasser sowie von Mannschaft und Gerät zu den Grundstücken könne daher nicht sichergestellt werden. Die Kreisverwaltung Donnersbergkreis erließ daraufhin im November 2012 gegenüber zahlreichen Grundstückseigentümern in dem betreffenden Wochenendhausgebiet, darunter auch dem Antragsteller, eine für sofort vollziehbar erklärte Verfügung, in der sie die Nutzung des jeweiligen Wochenendhauses „für die Dauer des fehlenden Brandschutzes zu Übernachtungszwecken (d.h. für das Schlafen in der Nacht und am Tage)“, untersagte und ferner alle Handlungen verbot, die zu einer Brandgefahr führen können, insbesondere das Hantieren mit offenem Feuer, leicht entzünd- oder brennbaren Stoffe, das Heizen mit festen Brennstoffen oder die Nutzung von Gasflaschen mit offener Flamme. Der Grundstückseigentümer legte dagegen Widerspruch ein und suchte um vorläufigen Rechtsschutz beim Verwaltungsgericht Neustadt nach, das seinem Eilantrag nun stattgab. Die Richter führten zur Begründung aus: Die vorübergehende Nutzungsuntersagung sei offensichtlich rechtswidrig, da der Hauseigentümer seit 1970 im Besitz einer Baugenehmigung für sein Wochenendhaus sei. Diese verleihe dem Gebäude Bestandsschutz. Im genehmigten Umfang sei die bauliche Anlage „baupolizeifest“. Die Bauaufsichtsbehörde könne daher weder die Beseitigung einer baulichen Anlage verlangen noch ihre Nutzung untersagen, wenn diese Anlage zwar dem materiellen Recht widerspreche, sie aber auf der Grundlage einer wirksamen Baugenehmigung errichtet worden sei und in deren Rahmen genutzt werde. Im Falle des genehmigten Wochenendhauses käme allenfalls ein Einschreiten der zuständigen Ordnungsbehörde nach dem Polizei- und Ordnungsbehördengesetz in Betracht, wenn von dem Wochenendhaus eine konkrete Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ausgehe, für die der Antragsteller Verantwortung im polizeirechtlichen Sinne trage. Insoweit habe das Verwaltungsgericht Neustadt aber Zweifel, weil die Probleme bei einer Brandbekämpfung ihre Ursache nicht in der Beschaffenheit des Wochenendhauses, sondern in dem Zustand der Straßen des Wochenendhausgebietes hätten. Die Beschaffenheit dieser Anlagen und die damit verbundenen Probleme dürften nämlich primär in den Verantwortungsbereich des Wegeeigentümers fallen.

Quelle: Verwaltungsgericht Neustadt - PM 3/13 vom 09.01.2013 von 08.01.2013
http://www.mjv.rlp.de/Gerichte/Fachgerichte/Verwaltungsgerichte/VG-Neustadt/ Externer Link
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