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Artikelnummer: 12120227
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ONLINE-REPUTATIONSVERSICHERUNG UND -MANAGEMENT
In Frankreich bieten Versicherungsunternehmen wie Axa und Swiss Life Policen gegen Rufschädigung im Internet an. Die "Protection Familiale Intégrale" hat die französische Axa seit Beginn des Jahres 2012 im Angebot, in Kombination mit einer Versicherung gegen häusliche Unfälle und gegen Naturkatastrophen. Diese Police hilft bei Schädigung der "E-Reputation".
Als Beispiele für Versicherungsfälle werden genannt, wenn jemand ungewollt Fotos oder verletzende Äußerungen in sozialen Netzwerken verbreitet, persönliche Informationen oder Kontodaten missbraucht oder wenn es Ärger mit einem Händler nach einem Online-Kauf gibt, etwa weil der die Ware nicht wie beschrieben oder auch gar nicht liefert. Die Versicherung zahlt dann die Anwaltskosten zur Lösung des Streitfalls bis zu einer Summe von 10.000 Euro, bietet einen psychologischen Dienst und zahlt Schadensersatz bis zu 5.000 Euro. Zu dem Paket gehört auch die Bereinigung der "E-Reputation": Unangenehme Daten werden gelöscht und Suchmaschinen-Ergebnisse so manipuliert, dass negative Informationen nicht als Erstes erscheinen. Das Angebot der Axa liegt bei rund 13 Euro monatlich für eine Einzelperson unter 65 Jahren, den Höchstpreis von rund 24 Euro zahlt eine Familie mit mindestens einem Familienmitglied, das älter als 65 ist. Axa Deutschland verfolgt nach eigenen Angaben keine Pläne, eine vergleichbare Versicherung hierzulande einzuführen. Die Swiss Life bietet in Frankreich seit Sommer 2011 eine ähnliche Versicherung, die laut einem Unternehmenssprecher auf "großes Interesse" stößt. Für einen Beitrag von 9,90 Euro im Monat ist die ganze Familie abgesichert. Swiss Life kooperiert mit Reputation Squad, einer Agentur, die beschädigte Online-Identitäten säubert. Zu ihrer Arbeit gehört auch, vorzeigbare Inhalte über den Geschädigten zu erschaffen, die negative Ergebnisse in einer Google-Suche ausgleichen sollen, wie ein aussagekräftiges Profil in einem beruflichen sozialen Netzwerk wie Xing oder Linkedin. Auch in Deutschland besteht das in Frankreich versicherte Problem: 42% der Deutschen halten eine solche Police für notwendig, jeder Vierte kann sich gemäß einer repräsentativen Umfrage der Beratungsgesellschaft Faktenkontor grundsätzlich vorstellen, dieses Angebot in Anspruch zu nehmen. Wer hierzulande seine Online-Aktivitäten schützen möchte, kann dies bislang allerdings nur mit einer Internet-Haftpflichtversicherung tun, wie sie zum Beispiel die Allianz oder die HUK-Coburg anbietet. Diese deckt Schäden durch Viren ab oder wenn gegen Persönlichkeitsrechte verstoßen wird, z. B. ein bereits geschützter Domainname abermals angemeldet wird. Ein derartiges Reputationsmanagement wird professionell von Agenturen wie Revolvermänner oder Reputation Squad angeboten. Sie verbessern den virtuellen Ruf von Privatpersonen und Unternehmen, indem sie beispielsweise Negativeinträge korrigieren, löschen lassen oder Profile in Personensuchmaschinen wie Yasni oder sozialen Netzwerken wie Xing veredeln. Zu den Leistungen dieser Agenturen gehört allerdings keine psychologische Hilfe, wie sie die französischen Versicherungen anbieten.

Quelle: Unabhängiges Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein - Nachricht vom 18.11.2012 von 18.11.2012
http://www.datenschutz.de/ Externer Link
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