Agenturrecht / Urheber- und Medienrecht /
Artikelnummer: 12092935
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FREMDFINANZIERTES HEFT NICHT DEUTLICH ZU ERKENNEN
Die drei Beschwerdeausschüsse des Deutschen Presserats sprachen insgesamt 4 Rügen aus.
Industrieverband finanziert Publikation BRAND EINS wurde gerügt wegen eines Verstoßes gegen den in Ziffer 7 des Pressekodex festgeschriebenen Grundsatz der klaren Trennung von Redaktion und Werbung. Die Redaktion des Wirtschaftsmagazins hatte – im Auftrag des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie – eine Publikation geschrieben, die mit einer regulären Ausgabe der Zeitschrift verteilt wurde. Das Heft unter der Überschrift ‚Hilfe! – Zwischen Krankheit, Versorgung und Geschäft‘ wurde auf der Titelseite als „Ein Magazin über die Pharmaindustrie“ bezeichnet. Der Beschwerdeausschuss sah mit dieser Publikation die gebotene klare Trennung von Redaktion und Werbung verletzt. Für den Leser erweckte sie den Eindruck einer Sonderausgabe von BRAND EINS. Es handelte sich jedoch um eine Auftragsproduktion, die von einem Verband finanziert wurde. Das Gremium ging davon aus, dass dessen Interessen Einfluss auf die Grundrichtung des Heftes genommen haben. Durch diese Art von Publikation und das dahinter stehende Geschäftsmodell gerät die Glaubwürdigkeit der Presse in Gefahr. Zeitung zeigt Opferfotos Eine nicht-öffentliche Rüge erhielt BILD Online wegen der Berichterstattung über einen Mordfall. Ein Mann hatte seine beiden Nichten umgebracht. BILD Online veröffentlichte Auszüge aus Briefen des Täters aus dem Gefängnis. Der Artikel enthielt ein Foto der beiden 8 und 11 Jahre alten Mädchen. Der Presserat sah darin einen schweren Verstoß gegen Ziffer 8 des Pressekodex, Richtlinie 8.1. Danach müssen Opfer besonders geschützt werden. Ein öffentliches Interesse an der identifizierenden Abbildung bestand nicht. Zeitung zeigt falsches Mordopfer Eine öffentliche Rüge erhielt BILD/BILD Online für die Veröffentlichung des Fotos eines falschen Mordopfers. Eine junge Frau war von ihrem Mitbewohner getötet worden. BILD veröffentlichte ein Foto, das das Opfer zeigen sollte. Aus Sicht des Presserates gab es kein begründbares öffentliches Interesse an der Veröffentlichung eines solchen Fotos. Die Zeitung verstieß daher in schwerer Weise gegen Ziffer 8 des Pressekodex. Nach Richtlinie 8.1 genießen Opfer von Straftaten besonderen Schutz vor identifizierender Bericht-erstattung. Mit der Veröffentlichung des Fotos hatte die Zeitung zudem die Sorgfaltspflichten nach Ziffer 2 des Pressekodex erheblich verletzt: Das Foto zeigte nicht die Getötete, sondern eine Frau gleichen Namens. Für die Verwechslung hatte sich BILD öffentlich entschuldigt. „Post von Wagner“-Kolumne nicht diskriminierend 72 Beschwerden lagen dem Presserat gegen die Kolumne „Post von Wagner“ in BILD und BILD Online vom 23.08.2012 vor. Der Kommentar stellte sich kritisch zu dem Gesetzesentwurf, homosexuelle Lebenspartnerschaft mit der Ehe gleichzustellen. Die kritische und zugespitzte Positionierung, die als Meinungsäußerung zu erkennen war, ließ erkennbar Raum für Interpretationen der Leser. Die Ansicht des Autors muss man nicht teilen, sie ist aber vom Recht auf freie Meinungsfreiheit gedeckt, urteilte der Beschwerdeausschuss. Eine Diskriminierung oder Herabwürdigung von Homosexuellen sah das Gremium in dem Kommentar nicht. Die Beschwerden wurden deshalb zurückgewiesen. Redaktionsdatenschutz Eine Missbilligung erteilte der Redaktionsdatenschutz-Ausschuss einer Tageszeitung, die bei einer Kriminalberichterstattung sensible Daten veröffentlicht hatte. Ein Mann hatte vor den Augen des gemeinsamen Sohnes seine Frau umgebracht. Tatort war die Wohnung der Familie. Die Redaktion nannte in dem Beitrag die genaue Adresse mit Straße, Hausnummer und Stockwerk. Dadurch wurde die Familie identifizierbar. Der Ausschuss sah den in Ziffer 8 des Pressekodex festgeschriebenen Datenschutz verletzt. Gerügt wurde zudem die Papst-Titelseite der TITANIC wegen eines Verstoßes gegen Ziffer 9 des Pressekodex. Hierüber hat der Presserat gestern gesondert informiert.

Quelle: Deutscher Presserat - PM vom 28.09.2012 von 28.09.2012
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