Bau- und Architektenrecht / Berlin / Verwaltungsrecht /
Artikelnummer: 12082624
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EHEMALIGES BEKLEIDUNGSAMT DES III. ARMEEKORPS KEIN DENKMAL
Das ehemalige Bekleidungsamt des III. Armeekorps in Berlin-Spandau ist nach einem Urteil des Verwaltungsgerichts Berlin kein Denkmal.
Die Klägerin erwarb 2009 ein Grundstück in Berlin-Spandau, auf dem sich u.a. vier um einen Innenhof gruppierte freistehende Ziegelbauten (Dienstgebäude, Wohngebäude für zwei Unterbeamte, Werkstatt- sowie Lagergebäude) befinden. Die Gebäude wurden 1888 als Bekleidungsamt für das III. Armeekorps errichtet. Im April 2010 nahm das Landesdenkmalamt Berlin den Gebäudekomplex nachrichtlich in die Denkmalliste auf. Das Bezirksamt stellte sich ebenfalls auf den Standpunkt, das Bekleidungsamt sei für die Struktur und die Stadt- und Militärgeschichte Spandaus prägend und besitze große städtebauliche sowie stadtentwicklungsgeschichtliche Bedeutung. Das Verwaltungsgericht Berlin gab der auf die Feststellung gerichteten Klage, dass der Gebäudekomplex nicht dem Denkmalschutz unterliege, statt. Der Anlage komme keine künstlerische oder wissenschaftliche Bedeutung zu. Die Gebäude ließen sich keinem bestimmten Architekten zuordnen, seien nicht für eine bestimmte Stilrichtung exemplarisch und sprächen das ästhetische Empfinden auch nicht in besonderer Weise an. Ferner seien sie weder schon Gegenstand wissenschaftlicher Forschung gewesen noch als konkretes Forschungsvorhaben vorgesehen. Der Gebäudekomplex habe allerdings geschichtliche Bedeutung, weil er einen Abschnitt der Stadt-, Bezirks- und Militärgeschichte Spandaus bezeuge, und er habe auch städtebauliche Bedeutung. Die Erhaltung der Anlage liege aber nicht im Interesse der Allgemeinheit. Dieses sei nur zu bejahen, wenn eine allgemeine Überzeugung von der Denkmalwürdigkeit einer Anlage und der Notwendigkeit ihrer Erhaltung bestehe, insbesondere wenn die Denkmalwürdigkeit in das Bewusstsein der Bevölkerung oder eines breiteren Kreises von Sachverständigen eingegangen sei. Daran fehle es hier. Bislang hätten sich keine für die Öffentlichkeit bestimmte Publikationen, Ausstellungen oder Berichte mit der Anlage befasst. Auch sachverständige Äußerungen oder Fachveröffentlichungen dazu existierten nicht. Eine Unterschutzstellung dränge sich auch nicht auf, weil die Anlage die durch sie bezeugten geschichtlichen Vorgänge nicht besonders anschaulich vermittle. Weder sei heute noch mit hinreichender Deutlichkeit zu erkennen, dass es sich dabei überhaupt einmal um eine Anlage der militärischen Infrastruktur gehandelt habe, noch sei die konkrete frühere Funktion der Baulichkeiten an diesen deutlich ablesbar. Ein Seltenheitswert komme der Anlage ebenfalls nicht zu.

Quelle: Verwaltungsgericht Berlin - PM 25/2012 vom 02.08.2012 von 12.07.2012
http://www.berlin.de/sen/justiz/gerichte/vg/ Externer Link
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