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Artikelnummer: 12072908
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KEIN STREIKRECHT FÜR BEAMTETE LEHRER
Das Verwaltungsgericht Bremen hat die Klagen von fünf im Beamtenverhältnis stehenden Lehrerinnen und Lehrer abgewiesen, die wegen der Teilnahme an einem Streik von der Schulbehörde disziplinarrechtlich zur Verantwortung gezogen worden waren.
Die Kläger sind Beamte der Stadtgemeinde Bremen. Am 25.02.2009 waren sie während der Unterrichtszeit einem Aufruf der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft zu einem Warnstreik gefolgt, mit dem die Gewerkschaft ihrer Forderung Nachdruck verleihen wollte, die zuvor für die Angestellten des öffentlichen Dienstes vereinbarten Gehaltsanpassung auf Beamte zu übertragen. Durch die Teilnahme am Warnstreik versäumte jeder der klagenden Lehrer mehrere Unterrichtsstunden. Die Senatorin für Bildung und Wissenschaft sah in der Teilnahme an dem Warnstreik ein Dienstvergehen und erteilte den klagenden Lehrern jeweils einen disziplinarrechtlichen Verweis. Dagegen haben die Lehrer vor dem Verwaltungsgericht Klagen erhoben. Sie vertreten die Ansicht, dass ein generelles Streikverbot für Beamte gegen Artikel 11 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) und weitere internationale Bestimmungen verstoße. Das deutsche Beamtenrecht bedürfe insoweit einer an den internationalen Bestimmungen orientierten Neuauslegung. Da Verwaltungsgericht hat die Klagen als unbegründet zurückgewiesen. Die Bremer Richter führen in ihren Urteilen aus, dass die klagende Lehrer durch ihr ungenehmigtes Fernbleiben vom Dienst schuldhaft gegen ihre Dienstpflichten verstoßen hätten. Zur Rechtfertigung dieser Dienstpflichtverletzung könnten sich die klagenden Lehrer nicht auf ein Streikrecht berufen. Das Bundesverfassungsgericht habe in zurückliegenden Entscheidungen stets die Auffassung vertreten, dass sich nur Tarifbeschäftigte im öffentlichen Dienst, nicht aber Beamte auf ein Streikrecht berufen könnten, weil ein Streikrecht mit den Grundprinzipen des Berufsbeamtentums nicht vereinbar sei. Das angerufene Verwaltungsgericht sei an diese Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts gebunden. Neuere Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR), auf die die klagenden Lehrer sich berufen hatten, erlaubten es dem Verwaltungsgericht nicht, sich hier ausnahmsweise über die Bindungswirkung der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts hinwegzusetzen. Zwar stünden Entscheidungen des EGMR, die neue Aspekte für die Auslegung des Grundgesetzes enthielten, rechtserheblichen Änderungen gleich, die unter Umständen zu einer Überwindung der Rechtskraft von Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts führen könnten. Auch dienten der Konventionstext und die Rechtsprechung des EGMR auf der Ebene des Verfassungsrechts als Auslegungshilfe für die Bestimmung von Inhalt und Reichweite der Grundrechte und der rechtsstaatlichen Grundsätze des Grundgesetzes. Es sei aber schon fraglich, ob den angesprochenen Entscheidungen des EGMR überhaupt - wie die klagenden Lehrer meinten - eine völkerrechtliche Gewährleistung des Streikrechts für Beamte allgemein oder für bestimmte Beamtengruppen entnommen werden könne. Selbst wenn dem so sei, werde damit jedoch ein Kernbestand der in Artikel 33 Abs. 5 Grundgesetz verankerten hergebrachten Grundsätze des Beamtentum in Frage gestellt. Es sei dem Verfassungsgesetzgeber bzw. dem Bundesverfassungsgericht vorbehalten, den Kernbestand von Art. 33 Abs. 5 GG in seinen Grundstrukturen ggf. an das Konventionsrecht in Art. 11 EMRK anzupassen. Ein Fachgericht seidazu nicht befugt. Die Erteilung eines Verweises sei die angemessene Reaktion auf die von den klagende Lehrern begangene Dienstpflichtverletzung.

Quelle: Verwaltungsgericht der Freien Hansestadt Bremen - PM vom 16.07.2012 von 03.07.2012
http://www.verwaltungsgericht.bremen.de/ Externer Link
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