Anlegerschutz / Baden-Württemberg / Strafrecht /
Artikelnummer: 12072901
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ANKLAGEERHEBUNG WEGEN MARKTMANIPULATION IM GANZ GROßEN STIL
Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat gegen 4 Männer im Alter zwischen 32 und 46 Jahren Anklage wegen des Vorwurfs der Marktmanipulation in insgesamt 62 Fällen zum Landgericht Stuttgart erhoben. Die Angeschuldigten sollen durch die Beeinflussung des Börsenpreises einer Aktie einen Gewinn von über 38 Millionen Euro erzielt haben.
Den Angeschuldigten wird vorgeworfen, im Zeitraum zwischen 15.05. und 15.06.2006 durch Veröffentlichungen in diversen Medien über die Aktie De Beira Goldfields Inc. Kaufempfehlungen ausgesprochen zu haben, ohne bekannt zu geben, dass sie selbst erhebliche Bestände der Aktie besaßen und damit in einem Interessenkonflikt standen (sog. Scalping). Darüber hinaus enthielten die Veröffentlichungen teilweise auch unrichtige und irreführende Angaben. Durch diese Veröffentlichungen beeinflussten die Angeschuldigten den Börsenpreis der Aktie, der sich im Mai 2006 anfänglich zwischen 1,40 Euro und 2,50 Euro bewegte und am 15.06.2006 einen Kurs von bis zu 18,50 Euro erreichte. Die Angeschuldigten verkauften aufgrund der großen Nachfrage und des gestiegenen Börsenkurses ihre Bestände gewinnbringend. Sie erzielten hierdurch einen Gewinn in Höhe von über 38 Millionen Euro. Die Idee, sich am Markt eine Vielzahl von Aktien zu verschaffen und diese dann gewinnbringend weiterzuverkaufen, nachdem der Kurs künstlich in die Höhe getrieben worden war, stammte von dem 32-jährigen, in Österreich lebenden Angeschuldigten, der als selbständiger PR-Berater tätig ist, und dem aus Kanada stammenden, 33 Jahre alten Angeschuldigten. Der Plan war, dass der 33-jährige Kanadier den wesentlichen Anteil der ausgegeben Aktien der Gesellschaft beschaffen und der 32 Jährige für die Vermarktung der Aktien zuständig sein sollte. Um die geplante Vermarktungskampagne besser durchsetzen zu können, beteiligten die Angeschuldigten noch zwei weitere Personen an ihrer Tat. Einen 46 Jahre alten, freien Journalisten, der in Baden-Württemberg lebt und entsprechende Kaufempfehlungen in einem Magazin sowie in Börsenbriefen veröffentlichte, und einen 39 Jahre alten, in Bayern lebenden Geschäftsführer. Seine Tätigkeit bestand ebenfalls darin, die Aktie u.a. in dem von ihm herausgegebenen Börsenbrief zu empfehlen. Er ist der einzige der Angeschuldigten, der bereits einschlägig vorbestraft ist. Das Verfahren kam durch eine Anzeige der BaFin im Sommer 2010 in Gang. Es wurden Ermittlungen aufgenommen, die im Frühjahr 2011 zu Durchsuchungsmaßnahmen in Deutschland und Österreich sowie zu Arrestbeschlüssen in das Vermögen der Angeschuldigten zum Zweck der Rückgewinnungshilfe führten. Auf dieser Grundlage konnten diverse Vermögenswerte gesichert werden. Personen, welche durch die obengenannten Taten der Angeschuldigten einen wirtschaftlichen Schaden erlitten haben, werden daher ausdrücklich aufgefordert, sich bei der Staatsanwaltschaft zu melden. Gegen drei Angeschuldigte (den 46-, 32- und 33-Jährigen) wurden Haftbefehle beantragt, von denen derjenige gegen den 46-jährigen Angeschuldigten außer Vollzug gesetzt wurde. Der Haftbefehl gegen den 32-Jährigen besteht fort. Das Wohnsitzland lehnt eine Auslieferung bisher jedoch ab. Gegen den 33-jährigen Kanadier wurde der Haftbefehl in Vollzug gesetzt. Er befindet sich derzeit in Untersuchungshaft. Er hat sich als Einziger nicht zur Tat geäußert. Die anderen Angeschuldigten sind weitgehend geständig. Das Landgericht Stuttgart hat nun über die Eröffnung des Hauptverfahrens und die Anberaumung der Verhandlungstermine zu entscheiden.

Quelle: Staatsanwaltschaft Stuttgart - PM vom 21.05.2012 von 21.05.2012
http://www.staatsanwaltschaft-stuttgart.de/ Externer Link
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