Medizinrecht / Nordrhein-Westfalen /
Artikelnummer: 12070819
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FEHLER IN KÖLNER KLINIK: SCHMERZENSGELD FÜR WUNDENWÄSCHE MIT PUTZMITTEL
Das Oberlandesgericht Köln hat einer 43-jährigen Frau ein Schmerzensgeld von 6.000,00 Euro zuerkannt, nachdem ihr in einer städtischen Klinik versehentlich mit einem Putzmittel eine Wunde ausgewaschen worden war.
Die Frau hatte sich zur Operation von Abszessen in der linken Brust in die Klinik begeben. Die Operationswunde war am 1. Juni 2006 versehentlich mit dem Putzmittel Terralin Liquid, einem Flächendesinfektionsmittel, gespült worden. Die Ärztin hatte die Flasche, in welcher das Desinfektionsmittel abgefüllt war, mit dem Wundspülungsmittel verwechselt, da beides vom Hersteller in gleichartige Flaschen abgefüllt wird. Die Frau erlitt hierdurch Verätzungen und litt mehrere Stunden unter heftigen, brennenden Schmerzen. Der Wundheilungsprozess wurde nach Überzeugung des Oberlandesgerichts aufgrund des Fehlers um ca. 6 Monate verzögert. Die Haftpflichtversicherung der beklagten Klinik zahlte vorgerichtlich ein Schmerzensgeld von 500,00 Euro. Die Patientin erhob Klage auf Zahlung eines Schmerzensgeldes von 30.000 Euro sowie auf Feststellung, dass die beklagte Klinik für weitere aufgrund des Ereignisses vom 1. Juni 2006 eintretende Schäden haften müsse. Dabei behauptete die klagende Patientin, dass auch später auftretende Dauerfolgen wie eine Fistelbildung und dauerhafte Schmerzen in der Brust auf den Behandlungsfehler zurückzuführen seien. Das Landgericht Köln hatte in erster Instanz dem Feststellungsantrag stattgegeben und ein Schmerzensgeld von 4.000,00 Euro für angemessen erachtet, wobei es einen Zusammenhang zwischen der Fehlbehandlung und den Dauerfolgen als nicht erwiesen angesehen hatte. Dem schloss sich das Oberlandesgericht an. Allerdings hielten die Kölner Richter ein höheres Schmerzensgeld, nämlich einen Betrag von 6.000,00 Euro für angemessen, um die aufgrund der Wundspülung mit dem Putzmittel erlittenen akuten Schmerzen und die 6-monatige Heilungsverzögerung auszugleichen. Grund für die Erhöhung des Schmerzensgeldes war u.a., dass der der beklagten Klinik anzulastende Fehler besonders grob und unverständlich gewesen sei. Außerdem sei das von der beklagten Klinik vorgerichtlich gezahlte Schmerzensgeld von 500,00 Euro ersichtlich unzureichend gewesen, so dass auch das Regulierungsverhalten der beklagten Klinik und ihrer Haftpflichtversicherung unverständlich und für die klagende Patientin zusätzlich beeinträchtigend gewesen sei.

Quelle: Oberlandesgericht Köln - PM 19/12 vom 03.07.2012 von 27.06.2012
http://www.olg-koeln.nrw.de/ Externer Link
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