Anlegerschutz / Verbraucherschutz /
Artikelnummer: 12042901
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BANKEN UND SPARKASSEN MÜSSEN BEI 'BEIPACKZETTELN' FÜR GELDANLEGER NACHBESSERN
Stichprobe des Bundesverbraucherministeriums deckt gravierende Mängel bei Produktinformationsblättern auf.
Eine Stichprobe im Auftrag des Bundesministeriums hat ergeben, dass die seit 1. Juli 2011 vorgeschriebenen Produktinformationsblätter etwa zur Hälfte nicht den gesetzlichen Anforderungen an Vollständigkeit, Verständlichkeit und Vergleichbarkeit entsprechen. 43 Prozent aller untersuchten "Beipackzettel" waren schon deshalb formal unvollständig bzw. unrichtig, weil überflüssige und unzulässige Angaben gemacht wurden oder wichtige Angaben fehlten. Dies ist das Ergebnis einer Evaluation des Beratungsunternehmens "evers & jung" und dem Markt- und Meinungsforschungsinstitut "YouGov Deutschland". Im Rahmen des vom Bundesverbraucherministeriums in Auftrag gegebenen Forschungsberichts wurden 160 Produktinformationsblätter fachlich ausgewertet und 2.000 Verbraucher befragt. In der Praxis von Banken und Sparkassen besteht noch erheblicher Verbesserungsbedarf. Der Forschungsbericht deckt etliche Schwachstellen in den eingesetzten Produktinformationsblättern auf. Im Rahmen des Forschungsberichts waren in einer Stichprobe 160 Produktinformationsblätter zu Inhaberschuldverschreibungen/Anleihen, Aktien, Zertifikaten, Investmentfonds, geschlossenen Fonds und Sparplänen untersucht worden. Die Autoren kommen u.a. zu folgenden Ergebnissen: - Das primäre Ziel eines Produktinformationsblattes, Verbraucher kurz und prägnant über wesentliche Eigenschaften des Anlageprodukts zu informieren und Vergleiche zu ermöglichen, wird derzeit meist noch nicht erreicht. Somit werden auch die Verbrauchererwartungen an die Produktinformationsblätter nur teilweise erfüllt. - Die Produktinformationsblätter entsprechen überwiegend nicht den Anforderungen an Vollständigkeit, Verständlichkeit und Vergleichbarkeit. - Die Darstellung der Rendite ist bei 64 Prozent, die Darstellung der Kosten bei 33 Prozent der untersuchten Produktinformationsblätter verständlich, die Kostendarstellung bei komplexen Produkten sogar nur bei 16 Prozent. Als ursächlich wird eine fehlende Konkretisierung der Anbieteraussagen in den zentralen Rubriken gesehen. - Die Einheitlichkeit in der Informationsdarstellung als Grundvoraussetzung für Vergleichbarkeit ist meist nicht gegeben. Die untersuchten Produktinformationsblätter unterscheiden sich in Detailtiefe, Sprachqualität und Begriffsverwendung. So werden insgesamt nur 45 Prozent und bei komplexen Produkten nur 20 Prozent als für einen Produktvergleich nutzbar beurteilt. Die inhaltliche Überprüfung der Produktinformationsblätter soll laut Bundesverbraucherministerium ab nächsten Jahr auch ein künftiger Schwerpunkt der "Stiftung Warentest sein". Sie erhält nach dem Beschluss des Koalitionsausschusses vom 4. März 2012 zusätzliche Finanzmittel, um Finanzprodukte intensiver zu prüfen und Verbraucher darüber zu informieren.

Quelle: Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) - PM 70 vom 14.03.2012 von 14.03.2012
http://www.bmelv.de/ Externer Link
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