Arbeitsrecht / Bayern / Gewerblicher Rechtsschutz /
Artikelnummer: 12022509
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ZUORDNUNG EINER RECHTSTREITIGKEIT ZUM ARBEITS- ODER PATENTRECHT
Die Klage eines Versicherten gegen seine Rechtschutzversicherung auf Übernahme der Kosten für einen Prozess gegen seinen früheren Arbeitgeber wegen einer von ihm gemachten Erfindung blieb erfolglos. Der beabsichtigte Prozess ist nicht durch die Rechtschutzversicherung gedeckt, so das Landgericht Coburg in seiner Entscheidung.
Der klagende Arbeitnehmer hat bei der beklagten Versicherungsgesellschaft eine Rechtschutzversicherung. 1985 machte er während seiner Arbeit als Chemiker eine Erfindung, für die ihm ein Patent erteilt wurde. Er schloss mit seinem Arbeitgeber eine Vergütungsvereinbarung, da der Arbeitgeber die Erfindung vermarktete. Aus dieser Vereinbarung erhielt der Kläger im Laufe von 15 Jahren 160.000 Euro. Nach dem der klagende Versicherte in den Ruhestand gegangen war, meinte er nach einer Internetrecherche Anspruch auf mindestens 100.000 Euro Mehrvergütung zu haben. Diese Ansicht teilte sein früherer Arbeitgeber nicht und deshalb wollte der Chemiker gegen diesen eine Klage erheben. Hierfür beanspruchte er von der beklagten Rechtschutzversicherung eine Deckungszusage hinsichtlich der Prozesskosten mit der Begründung, es handle sich um eine arbeitsrechtliche Streitigkeit. Die beklagte Versicherung verteidigte sich mit dem Einwand, dass für Streitigkeiten des Patent- und Urheberrechts kein Rechtschutz bestehe, da diese Rechtsstreitigkeiten durch die Versicherungsbedingungen ausgeschlossen seien. Das Landgericht Coburg wies die Klage ab. Es stelle zunächst fest, dass sich die Frage einer höheren Vergütung nach dem Arbeitnehmererfindergesetz regeln würde. Solche Streitigkeiten würden vor den für Patentstreitigkeiten zuständigen Gerichten ausgetragen. Die vom Versicherten beabsichtigte Klage habe somit einerseits Bezug zu seinem früheren Arbeitsverhältnis, andererseits stehe sie auch im Zusammenhang mit dem Patenrecht. Für arbeitsrechtliche Streitigkeiten bestehe ein Rechtschutz, für Streitigkeiten auf dem Gebiet des Patentrechts bestehe er nicht. Es komme also darauf an, wo der Schwerpunkt der klägerischen Interessenswahrnehmung liegt. Dabei stellte das Gericht fest, dass die Interessen des klagenden Chemikers nicht im arbeitsrechtlichen, sondern im patentrechtlichen Bereich anzusiedeln sind. Die vom klagenden Erfinder gewünschte höhere Vergütung stelle keine Entlohnung für die geleistete Arbeit dar, sondern der klagende Arbeitnehmer erhielt das Geld dafür, dass sein Arbeitgeber aus seiner Erfindung Vorteile ziehen konnte. Das Gericht hielt es auch für gerechtfertigt, dass die Versicherung in ihren Bedingungen solche Rechtstreitigkeiten ausschließt. Streitigkeiten im Zusammenhang mit Patenrechten verursachten hohe Kosten. Ohne den Ausschluss in den Bedingungen wäre die Masse der Versicherten zur Zahlung dieser Verfahren verpflichtet, obwohl die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist, selber einen entsprechenden Prozess führen zu müssen. Auch die Formulierung des Risikoausschlusses sah das Landgericht Coburg als zulässig an und wies die Klage des Erfinders gegen die Versicherung ab.

Quelle: Landgericht Coburg - PM 487/12 vom 17.02.2012 von 11.11.2011
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