Handels- und Gesellschaftsrecht / Insolvenzrecht & Zwangsvollstreckung / Rheinland-Pfalz / Straßenverkehrsrecht /
Artikelnummer: 12021931
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INSOLVENZ EINES AUTOHAUSES IN BAD KREUZNACH UND KIRN - ANKLAGE ERHOBEN
Die Staatsanwaltschaft Koblenz hat nach umfangreichen und schwierigen, durch das Polizeipräsidium Mainz geführten Ermittlungen Anklage gegen den 67-jährigen Geschäftsführer eines Autohauses in Bad Kreuznach und Kirn, dessen 38-jährigen Sohn, die 53-jährige Finanzbuchhalterin, einen 44-jährigen kaufmännischen Angestellten sowie einen 47-jährigen und 52 Jahre alten Bankkaufmann zum Landgericht Koblenz erhoben.
Dem 67-jährigen Geschäftsmann wird neben Insolvenzverschleppung und verschiedenen Bankrottdelikten (Manipulation der Bilanzen und Buchhaltung) gewerbsmäßiger Betrug und Unterschlagung zur Last gelegt. So soll er die von ihm vertriebenen Kraftfahrzeuge jeweils mehreren Kreditinstituten gleichzeitig als Sicherheit zur Erhöhung des Kreditrahmens der Autohäuser übereignet haben. Durch die systematisch betriebenen mehrfachen Sicherungsübereignungen entstand den Kreditinstituten ein Schaden in Höhe von 1,3 Mio. EUR. Weiter wird dem 67-jährigen Geschäftsmann zur Last gelegt, durch „Lastschriftreiterei“ seinen Autohäusern weitere Überziehungskredite auf den Firmenkonten verschafft zu haben. So veranlasste er zwischen den Firmenkonten bei verschiedenen Kreditinstituten täglich Lastschrifteneinzüge, wobei er sich den Umstand zu Nutze machte, dass der eingezogene Betrag jeweils sofort dem Empfängerkonto gutgeschrieben wurde, eine Abbuchung auf dem bezogenen Konto jedoch erst am Tag darauf erfolgte. Hierdurch entstand den beiden in Bad Kreuznach ansässigen Kreditinstituten ein Schaden in Höhe von 1,1 Mio. EUR bzw. 1,3 Mio. EUR. Der Finanzbuchhalterin wird zur Last gelegt, dem Geschäftsführer der Autohäuser zu dessen Straftaten Beihilfe geleistet zu haben, indem sie die vielfältigen Manipulationen in der Buchhaltung, den Bilanzen, dem Fahrzeugbestand und den Konten aufeinander abstimmte. Der Sohn des Geschäftsführers und der kaufmännische Angestellte unterstützten den Firmeninhaber bei der aufwendigen täglichen Durchführung des Lastschriftkarussells. Gegen die angeklagten Bankangestellten besteht der Verdacht der Untreue in einem besonders schweren Fall, da sie bis zur Insolvenzantragstellung die wöchentlich fortschreitenden Überziehungen der Firmenkonten durch das Lastschriftkarussell wissentlich tolerierten. Insoweit besteht gegen den Geschäftsführer auch der Verdacht der Anstiftung zur Untreue in einem besonders schweren Fall. Das Ermittlungsverfahren gegen zwei weitere Verantwortliche der involvierten Kreditinstitute, darunter ein Vorstandsvorsitzender, wurde mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt. Nach dem Ergebnis der Ermittlungen war nicht der Nachweis zu führen, dass sie das Lastschriftkarussell als solches erkannten und tolerierten. Der Straftatbestand der Insolvenzverschleppung sieht eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren vor. Das Vergehen der Untreue in einem besonders schweren Fall ist mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zehn Jahren bedroht.

Quelle: Staatsanwaltschaft Koblenz - PM vom 07.02.2012 von 07.02.2012
http://www.mjv.rlp.de/Staatsanwaltschaften/StA-Koblenz/ Externer Link
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