Hamburg / Strafrecht /
Artikelnummer: 12012222
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UNFALL EINES WASSERFLUGZEUGS IM HAMBURGER HAFEN - PILOT ZU NEUNMONATIGER FREIHEITSSTRAFE MIT BEWÄHRUNG VERURTEILT
Der Pilot des am 22.08.2009 im Hamburger Hafen verunfallten Wasserflugzeugs ist vom Amtsgericht Hamburg zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten verurteilt worden. Die Vollstreckung der Freiheitsstrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.
Die Beweisaufnahme vor dem Strafrichter hat ergeben, dass der Angeklagte vor der Wasserlandung des neben ihm mit zwei Passagieren besetzten Wasserflugzeugs im Baakenhafen nicht das Fahrwerk in die Schwimmer des Flugzeugs eingefahren hatte. Das Flugzeug setze daher mit ausgefahrenen Rädern auf dem Wasser auf, überschlug sich und versank. Trotz sofort eingeleiteter Rettungsmaßnahmen konnten die Passagiere, eine 54-jährige Frau und deren 57-jähriger Ehemann nicht rechtzeitig befreit werden. Sie verstarben kurze Zeit nach dem Unfall an den Folgen des Ertrinkens. Der Angeklagte hat sich in der Hauptverhandlung vor dem Strafrichter dahingehend eingelassen, die Kontrolllampen für die richtige Fahrwerkseinstellung als korrekt wahrgenommen zu haben. Auch die mechanische Kontrollanzeige auf dem linken Schwimmer des Flugzeugs habe sich in der Stellung „Waterlanding“ befunden. Allerdings komme es gelegentlich vor, dass diese mechanische Anzeige beschädigt werde und dann nicht mehr funktioniere. Da die Position des Fahrwerks bei früheren Flügen verlässlich durch die Kontrollleuchten angezeigt worden sei, habe er darauf verzichtet, die Fahrwerkstellung weiter zu überprüfen. Eine grundsätzlich auch vorgesehene Warnmeldung sei auf Grund der geringen geflogenen Geschwindigkeit nicht ausgelöst worden. Das Gericht hat im Rahmen der Beweisaufnahme einen Sachverständigen, einen sachverständigen Zeugen sowie acht weitere Zeugen zu dem Umständen des Unfalls angehört. Nach Durchführung der Beweisaufnahme ist das Gericht davon überzeugt, dass der Angeklagte vor der Wasserlandung hätte erkennen können und müssen, dass das Fahrwerk noch ausgefahren war. Nach den Angaben des Sachverständigen kann zur Überzeugung des Gerichts ausgeschlossen werden, dass die Kontrolllampen für die Fahrwerksstellung blau leuchteten und damit die richtige Einstellung für die Wasserlandung anzeigten. Auch wenn es keine Anzeichen für einen Defekt gab, konnten allerdings weder der Sachverständige noch der Vertreter der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung aufgrund der bis zur Begutachtung des Flugzeugs eingetretenen Korrosion angeben, welche Lampen beim Absturz geleuchtet haben. Letztlich kam es hierauf jedoch nicht entscheidend an, denn entweder hat der Angeklagte die grünen Kontrollleuchten (für eine Landung auf dem Boden) übersehen bzw. falsch interpretiert, oder aber diese grünen Lampen waren defekt. In letzterem Falle hätte der Angeklagte jedoch zusätzlich durch einen Blick durch das Fenster abklären können und müssen, ob das Fahrwerk eingefahren war. Damit hat der Angeklagte durch sein fahrlässiges Fehlverhalten den Unfall verursacht, der zum Tode beider Passagiere geführt hat, und war entsprechend wegen fahrlässiger Tötung zu verurteilen. Im Rahmen der Strafzumessung hat das Gericht zugunsten des Angeklagten berücksichtigt, dass die ihm anhand gegebene Checkliste mangelhaft gestaltet war. Auch fiel zugunsten des Angeklagten ins Gewicht, dass er unter Einsatz seines Lebens an den Rettungsbemühungen teilgenommen hat. Andererseits traf den Angeklagten angesichts des Umstands, dass es sich hier um einen Flug mit zwei Passagieren handelte, eine besondere Verantwortung und Sorgfaltspflicht, gegen die er verstoßen hat. Im Ergebnis erachtete das Gericht daher eine neunmonatige Freiheitsstrafe als der Tat und der Schuld des Angeklagten angemessen. Das Gericht setzte die Vollstreckung der Freiheitsstrafe zur Bewährung aus, weil es davon ausgeht, dass der Angeklagte auch ohne die Strafvollstreckung bereits durch die Verurteilung hinreichend gewarnt wird, nicht erneut straffällig zu werden. Dieses gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass der Angeklagte nicht vorbestraft ist und die Wiederholungsgefahr einer vergleichbaren Straftat als sehr gering eingeschätzt werden kann.

Quelle: Amtsgericht Hamburg - PM vom 16.01.2012 von 16.01.2012
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