Niedersachsen / Strafrecht /
Artikelnummer: 11103016
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LANDGERICHT OSNABRÜCK LEHNT ERÖFFNUNG DES HAUPTVERFAHRENS GEGEN EHEMALIGEN PFARRER AUS SPELLE AB
Das Landgericht Osnabrück hat die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen einen ehemaligen Pfarrer aus Spelle mangels hinreichendem Tatverdacht abgelehnt. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, dass der Angeschuldigte im Jahr 1990 bei sexuellen Kontakten mit der Nebenklägerin Gewalt angewendet habe, lässt sich nicht mehr aufklären.
Die Staatsanwaltschaft Osnabrück hat dem inzwischen 51 Jahre alten Angeschuldigten vorgeworfen, im Sommer 1990 in der Kaplanei der Gemeinde Haren/ Emsland eine damals 14 Jahre alte Jugendliche zwei mal vergewaltigt zu haben. Durch Setzen auf die Oberarme bzw. durch Festhalten der Arme und Zuhalten des Mundes soll er ihren Widerstand überwunden haben. Der ehemalige Pfarrer hat zwar die Sexualkontakte mit der Nebenklägerin eingeräumt. Diese seien aber einvernehmlich und ohne Einsatz von Gewalt erfolgt, so der Angeschuldigte. Das Landgericht hält aufgrund der Beweislage eine Verurteilung wegen Vergewaltigung nicht für wahrscheinlich. Es könne dem Angeschuldigten nicht mit der erforderlichen Sicherheit nachgewiesen werden, dass er gegenüber der Nebenklägerin Gewalt angewendet hat. Hinsichtlich des Vorwurfs der Gewaltanwendung stehen sich die Aussagen der mutmaßlichen Geschädigten und des Angeschuldigten gegenüber. Außer der Hauptbelastungszeugin gebe es keine unmittelbaren Beweismittel. Der Sachverständige Prof. Dr. Steller von der Charité Berlin habe in seinem aussagepsychologischen Gutachten keine hinreichenden Anhaltspunkte gefunden, anhand derer er die belastende Aussage der Nebenklägerin zur Frage der Gewaltkomponente hätte verifizieren können. Die Aussage der Zeugin sei hinsichtlich der Schilderung der Gewaltanwendung nicht umfangreich und anschaulich genug gewesen, um auf ihren Wahrheitsgehalt sichere Rückschlüsse ziehen zu können. Da auch in dem sogenannten Zwischenverfahren, in dem das Gericht über die Eröffnung des Hauptverfahrens entscheidet, die Unschuldsvermutung gilt, haben die Osnabrücker Richter die Anklageschrift nicht zur Hauptverhandlung zugelassen. Der Beschluss ist von den Beteiligten nicht angegriffen worden und daher rechtskräftig. Gegen den ehemaligen Pfarrer ist weiterhin beim Vatikan ein kirchenrechtliches Verfahren anhängig.

Quelle: Landgericht Osnabrück - PM 41/11 vom 28.09.2011 von 19.09.2011
http://www.landgericht-osnabrueck.niedersachsen.de Externer Link
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