Anlegerschutz / Verbraucherschutz / z_L&S - Filmfonds /
Artikelnummer: 11102301
Trennlinien
BANKBERATER HAFTEN AUCH BEI AUSHÄNDIGUNG EINES EMISSIONSPROSPEKTES
Die vorherige Aushändigung eines Emissionsprospektes an einen Anleger ist nicht ausreichend, eine Mitschuld des Kunden zu begründen, wenn dieser im Gespräch vor Anteilszeichnung den Anlageberater darauf hinweist, den Prospekt aufgrund Zeitmangels nicht gelesen zu haben. Dies hat das Brandenburgisches Oberlandesgericht entschieden.
Ein Anleger hatte sich an einem Filmfonds beteiligt. Er hatte sich von dem Filialleiter seiner Bank vorher entsprechend beraten lassen und diesem erklärt, dass er den überlassenen Prospekt aufgrund Zeitmangels bedingt durch seine berufliche Tätigkeit nicht gelesen hätte. Nachdem sich die Beteiligung nicht wie erhofft entwickelt hatte (keine Ausschüttungen, zweckfremde Mittelverwendung durch den Fonds, Strafverfahren gegen Fondsinitiator), hatte der klagende Anlager geklagt, da er sich falsch beraten fühlte. Das Brandenburgisches Oberlandesgericht entschied zugunsten des Anlegers. Eine Mitschuld des Anlegers, wie von der Bank behauptet, könne nicht festgestellt werden. Zwar habe der Berater den Prospekt an den klagenden Kunden ausgehändigt. Selbst wenn man jedoch davon ausginge, dass die dortigen Angaben ausreichten, um den Anleger hinreichend aufzuklären, könne sich die Bank im konkreten Fall nicht darauf berufen. Der klagende Anleger habe dem Berater in dem Gespräch deutlich klargemacht, das er den Prospekt aufgrund Zeitmangels nicht gelesen habe. Insofern sei ihm Schadensersatz in Höhe seiner getätigten Einlage (zuzüglich des gezahlten Agios) zuzugestehen. Keinen Anspruch habe er hingegen auf den Ersatz entgangenen Gewinns.

Quelle: Brandenburgisches Oberlandesgericht - PM Verbraucherzentrale Bundesverband vom 14.07.2010 von 14.07.2010
http://www.vzbv.de Externer Link
ArtikelübersichtFacebookNach oben