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Artikelnummer: 11100938
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100 JAHRE ALTWEIBERSOMMER
Vor dem Landgericht Darmstadt führte eine rüstige Rentnerin – Jahrgang 1911 - gegen die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch den Bundesminister für Verkehr , vertreten durch den Präsidenten des Deutschen Wetterdienstes mit Sitz in Offenbach/Main einen Unterlassungsrechtstreit.
Die Dame wehrte sich seit einigen Jahren dagegen, dass in den im Radio sowie im Fernsehen ausgestrahlten Wetterberichten die im Spätsommer bzw. frühen Herbst oft herrschende Schönwetterperiode als »Altweibersommer« bezeichnet wird. Sie fühlte sich als Frau diskriminiert und in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt. Zudem sei der Begriff weder meteorologisch noch wissenschaftlich fundiert. Die Klage wurde abgewiesen. Der objektive Tatbestand des § 185 StGB (Beleidigung) setze nämlich grundsätzlich einen Angriff auf die Ehre eines anderen durch die Kundgabe von Missachtung voraus und zwar durch Äußerung eines beleidigenden Werturteils gegenüber dem Betroffenen selbst oder über gegenüber einem Dritten bzw. durch ehrenrührige Tatsachenbehauptungen gegenüber dem Betroffenen selbst. Da das Verhalten des Deutschen Wetterdienstes unzweifelhaft keine dieser drei möglichen Begehungsformen in Bezug auf die Klägerin erfüllt, sei ein direkter Angriff auf ihre Persönlichkeitsrechte nicht gegeben. Die Klägerin könne sich aber auch nicht darauf berufen, als Mitglied der durch die Verwendung des Begriffs »Altweibersommer« in ihrer Gesamtheit angeblich herabgewürdigten Gruppe der älteren Frauen beleidigt zu sein. Denn soweit nach ständiger Rechtsprechung eine Beleidigung einer Mehrheit einzelner Personen unter einer Kollektivbezeichnung auch in der Weise möglich ist, dass mit der Bezeichnung einer bestimmten Personengruppe alle ihre Angehörigen getroffen werden sollen, setze dies voraus, dass sich die bezeichnete Personengruppe aufgrund bestimmter Merkmale so deutlich aus der Allgemeinheit heraushebt, daß der Kreis der Betroffenen klar umgrenzt und damit die Zuordnung des einzelnen zu ihr nicht zweifelhaft ist. Zur Abgrenzung als betroffene Gruppe genüge vorliegend das Merkmal »alte Frau« indes ebenso wenig, wie die Rechtsprechung dies für die gesellschaftlichen Gruppen der Protestanten, Katholiken oder Akademiker entschieden hat. Weiterhin müsse der Personenkreis zahlenmäßig überschaubar sein ,d.h., die ehrenrührige Äußerung darf sich nicht in der Masse verlieren und den einzelnen Betroffenen nicht mehr erreichen. Das treffe angesichts ihrer unbestimmten Zahl auf die Gruppe der älteren Frauen gleichfalls nicht zu, weil es sich dabei nicht um eine homogene Gruppe handelt, der eine Frau ab einem bestimmten Alter zugehörig bzw. zuzurechnen ist. Die Klägerin ist somit in Bezug auf die Verwendung des Begriffs »Altweibersommer« in den Wetterberichten des Deutschen Wetterdienstes nicht beleidigungsfähig. Ihre Klage musste mithin erfolglos bleiben.

Quelle: Landgericht Bautzen - PM vom 23.09.2011 von 08.12.1988
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