Hamburg / Insolvenzrecht & Zwangsvollstreckung / Veranstaltungsrecht /
Artikelnummer: 11091146
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STREIT UM SIEGPRÄMIE FÜR EIN TRABRENNPFERD LANDGERICHT HAMBURG WEIST BERUFUNG DES HAMBURG TRAB-ZENTRUM E.V. ZURÜCK
Das Landgericht Hamburg hat die Berufung gegen ein amtsgerichtliches Urteil zurückgewiesen, in dem der Hamburg TRAB-Zentrum e.V. zur Auszahlung einer Siegprämie an die Eigentümerin eines Trabrennpferdes verurteilt worden war.
Die Klägerin ist Eigentümerin eines Trabrennpferdes, mit dem sie 2005 erfolgreich an der Deutschen Amateurmeisterschaft teilnahm. Von der Siegprämie in Höhe von insgesamt EUR 15.750,-- erhielt die Klägerin allerdings - wie hunderte weitere Pferdeeigentümer - nur einen Teil, bevor die Veranstalterin, die HTRG Hamburger Trabrenngesellschaft mbH (HTRG) im September 2005 Insolvenz anmeldete. Im zunächst vor dem Amtsgericht Hamburg-Altona ausgetragenen Rechtsstreit verlangte die klagende Eigentümerin eines Trabrennpferdes nunmehr von dem Beklagten als Nachfolger der HTRG die restliche Prämie. Der Beklagte hatte nach der Insolvenz der HTRG zwar weitere Teilzahlungen an die Eigentümerin eines Trabrennpferdes geleistet, eine vollständige Bezahlung der restlichen Siegprämie jedoch abgelehnt. Zur Begründung ihrer Forderung berief sich die klagende Eigentümerin eines Trabrennpferdes auf Erklärungen des damaligen Präsidenten des Beklagten sowie des ehemaligen Geschäftsführers der HTRG, die diese im Rahmen eines Interviews mit der Zeitschrift „Hamburg Trab Extra“ im Oktober 2005 abgegeben hatten. Beide hätten in diesem Interview unzweideutig die Übernahme der Altverbindlichkeiten der HTRG durch den Beklagten zugesichert. Das Amtsgericht gab der Eigentümerin eines Trabrennpferdes Recht und der Klage statt. Mit Urteil vom 28. Juli 2010 verurteilte es den Beklagten zur Auszahlung der restlichen Prämie. Den Erklärungen der Interviewten lasse sich ein rechtsverbindliches Angebot des Beklagten auf Übernahme der Verbindlichkeiten der HTRG entnehmen, welches die klagende Eigentümerin eines Trabrennpferdes angenommen habe. Gegen die Entscheidung des Amtsgerichts legte der Beklagte Berufung beim Landgericht Hamburg ein und begründete diese u.a. damit, ein wirksames Angebot zu einer Schuldübernahme sei nicht abgegeben worden. Berücksichtige man Kontext und Begleitumstände, ergebe sich, dass bei dem Interview in einer Sportzeitschrift keine rechtsverbindlichen Erklärungen abgegeben werden sollten. Das Landgericht hat nunmehr entschieden, es dränge sich bei kritischer Würdigung der in dem Interview gemachten Äußerungen nicht zwingend auf, dass in dem Interview ein verbindliches Angebot zur Schuldübernahme abgegeben worden sei. Letztlich müsse die Frage nach dem Rechtsbindungswillen der Interviewten jedoch nicht beantwortet werden, da nach Überzeugung der Kammer schon vor dem fraglichen Interview ein Schuldübernahmevertrag zwischen der HTRG und dem Beklagten abgeschlossen worden sei. Zwar sei dem Gericht ein solcher Vertrag nicht vorgelegt worden; auf seine Existenz könne aber auf der Grundlage der von den Parteien vorgelegten Unterlagen, insbesondere aus den weiteren Antworten der Interviewten im Gespräch mit der Zeitschrift „Hamburg Trab Extra“ im Oktober 2005, geschlossen werden. Auch das Verhalten des Beklagten nach der Insolvenz der HTRG - z.B. die Auszahlung von Teilbeträgen an die Pferdeeigentümer - spreche für eine vereinbarte Schuldübernahme. Aus dem Gesamtzusammenhang werde deutlich, dass bei dem Interview tatsächlich lediglich die Modalitäten eines zuvor bereits verabschiedeten „Sanierungskonzepts“ für die HTRG dargestellt worden seien.

Quelle: Landgericht Hamburg - PM vom 30.06.2011 von 15.06.2011
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