Niedersachsen / Strafrecht /
Artikelnummer: 11090425
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STRAFVERFAHREN 'AMELAND' IST ABGESCHLOSSEN - WEISUNGEN UND AUFLAGEN GEGEN VIER JUGENDLICHE VERHÄNGT
Das Landgericht Osnabrück hat nach drei Verhandlungstagen das sogenannte "Ameland-Verfahren" abgeschlossen. Vier Jugendliche im Alter zwischen 15 und 16 Jahren mussten sich für ihr Verhalten während einer Jugendfreizeit auf der niederländischen Insel Ameland im Sommer 2010 verantworten.
Zur Überzeugung des Gerichts haben sich die vier angeklagten Fälle im Wesentlichen wie folgt abgespielt: Die Angeklagten suchten sich ein Opfer aus, hielten es fest und zogen ihm die Hose herunter. In zwei Fällen wurde dabei der Po mit Sonnenspray eingesprüht. Zwischen die Pobacken schoben die Angeklagten dann eine PET-Flasche bzw. einen Handfegerstiel, wobei diese Gegenstände nicht eingeführt wurden. Zwar spürte ein Opfer kurzzeitig leichte Schmerzen am Steißbein und in einem Fall brannte die Sonnencreme leicht auf der Haut, es kam aber bei allen Opfern zu keinerlei Verletzungen oder Blutungen. Durch dieses Verhalten haben sich die Angeklagten wegen Nötigung in vier Fällen, davon in zwei Fällen in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, strafbar gemacht. Der Vorwurf der sexuellen Nötigung hat sich hingegen mangels Penetration nicht bestätigt, zumal die Beteiligten mit den Übergriffen keine sexuelle Motivation verbunden haben. Erst aufgrund der anschließenden medialen Berichterstattung ist bei den Betroffenen der Gedanke eines sexuellen Bezugs aufgekommen. Wegen dieser Straftaten hat das Landgericht mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft gegen die Angeklagten Weisungen und Auflagen nach dem Jugendgerichtsgesetz verhängt; aus erzieherischen Gründen war keine Entscheidung durch Urteil angezeigt. Das Gericht hat hierbei zugunsten der Täter berücksichtigt, dass diese zum ersten Mal mit dem Gesetz in Konflikt geraten und geständig gewesen sind. Außerdem haben alle Angeklagte freiwillig - bereits während des laufenden Strafverfahrens - über mehrere Monate hinweg bis zu zehn mehrstündige Termine im Rahmen eines Einzelcoachings bei der Jugendgerichtshilfe absolviert. Die in der Hauptverhandlung angehörten Mitarbeiter der Jugendgerichtshilfe haben deutlich gemacht, dass sich die Angeklagten dabei umfassend mit ihren Taten, Motiven und auch mit der Opferperspektive auseinander gesetzt haben. Alle Täter haben sich zudem bei den Opfern persönlich auf eine Art und Weise entschuldigt, die Scham und Betroffenheit der Angeklagten erkennen ließ, so dass die Entschuldigungen angenommen worden sind. Das Gericht hat auch die erhebliche Belastung der Angeklagten durch die Medienberichterstattung berücksichtigt. Da die Angeklagten aber gleichwohl durch ihr Tun Schuld auf sich geladen haben und sich mehrfach Zimmergenossen in erniedrigender Weise bemächtigt haben, hat ihnen die Kammer neben dem bereits durchgeführten Einzelcoaching und der Entschuldigung aufgegeben, 60 Stunden gemeinnützige Arbeit nach Weisung der Jugendgerichtshilfe zu leisten. Damit sollen sich die Angeklagten das begangene Unrecht und die daraus erwachsenen Folgen für die Opfer nochmals eindringlich bewusst machen. Einer der vier Angeklagten ist zudem einem Betreuungshelfer unterstellt worden, um seine weitere Entwicklung zu fördern.

Quelle: Landgericht Osnabrück - PM 39/11 vom 31.08.2011 von 31.08.2011
http://www.landgericht-osnabrueck.niedersachsen.de Externer Link
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