Agenturrecht / Nordrhein-Westfalen / Urheber- und Medienrecht / Veranstaltungsrecht /
Artikelnummer: 11082402
Trennlinien
ABWERTUNG VON GOURMETRESTAURANT IN RESTAURANTFÜHRER NACH EINEM EINZIGEN BESUCH UNZULÄSSIG
Das Oberlandesgericht Köln hat entschieden, dass eine vernichtende Kritik in einem Gourmetführer über ein Restaurant rechtswidrig ist, wenn sie nur auf einem einzigen Besuch basiert.
Der beklagte Verlag gibt einen Restaurantführer heraus. Ein Mitarbeiter besuchte die Gaststätte der Klägerin, um später einen Artikel im Restaurantführer des beklagten Verlages über das klägerische Restaurant zu schreiben. Nach dem einmaligen Besuch schrieb er eine vernichtende Kritik im Gourmetführer der Beklagten über das Restaurant. Die klagende Restaurantbetreibein begehrt Änderung der Kritik durch die beklagte Herausgeberin. Das Oberlandesgericht Köln hat der Klage stattgegeben. Grundsätzlich handele es sich bei einer Restaurantkritik um eine Meinungsäußerung, die, wenn sie nicht die Grenze zur Schmähkritik überschreite, zulässig sei. Der Kritiker habe folglich einen weiten Spielraum und ein Gewerbebetrieb müsse sich der Kritik seiner Leistung stellen. Die Grenze zulässiger Kritik, auch negativer, könne im Einzelfall weit gezogen sein. Vorliegend sei jedoch hiervon eine Ausnahme zu machen. Die Kritik des Mitarbeiters des beklagten Verlages sei derartig negativ und berufsschädigend, dass erhöhte Anforderungen an die Bewertung zu stellen seien. Dies sei auch deshalb notwendig, weil eine Vielzahl von Kunden den Restaurantführer lesen würden. Auch stelle der einmalige Besuch des Kritikers keine zuverlässige Tatsachengrundlage für die vorgenommene Bewertung dar. Eine solche Kritik sei folglich nicht aussagekräftig, so das Gericht. Der beklagte Verlag sei vielmehr verpflichtet gewesen, dass seine Prüfer dem Lokal weitere Besuche abstatteten.

Quelle: Oberlandesgericht Köln - erhältlich in der Rechtsprechungsdatenbank Nordrhein-Westfalen von 30.05.2011
http://www.nrwe.de Externer Link
ArtikelübersichtFacebookNach oben