Handels- und Gesellschaftsrecht / Schleswig-Holstein /
Artikelnummer: 11070324
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OSMOSESCHADEN AN SEGELYACHT - KAUFVERTRAG WIRD RÜCKABGEWICKELT
Garantiert der Verkäufer einer Segelyacht, dass das Boot osmosefrei sei, so muss er das Boot zurücknehmen und dem Käufer den Kaufpreis erstatten, wenn sich später herausstellt, dass das Boot einen von der Zusage abweichenden Osmoseschaden hat. Das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht hat sich mit der Frage auseinandergesetzt, wann eine Segelyacht einen als Mangel zu bewertenden Osmoseschaden aufweist und wie die Zusage der "Osmosefreiheit" eines Verkäufers zu verstehen ist. Osmose als physikalischer Vorgang, das heißt die Aufnahme von Wasser durch einen GFK-Schiffsrumpf, setzt bereits in dem Moment ein, in dem ein Boot erstmals zu Wasser gelassen wird.
Die in dem vom Gericht zu entscheidenden Rechtsstreit als osmosefrei verkaufte Segelyacht "Minerva" ist ein GFK-Boot (GFK= glasfaserverstärkter Kunststoff), Baujahr 1979/1980. Ihre bisherigen Eigentümer verkauften das Schiff im Jahr 2006. In dem schriftlichen Kaufvertrag garantierten sie die "Osmosefreiheit" des Bootes. Während der Verkaufsverhandlungen hatten sie mehrfach geäußert, das Unterwasserschiff selbst bis auf das Laminat abgeschliffen zu haben; das Schiff könne aufgrund der vorgenommenen Schutzbehandlung nie Osmose bekommen. Zwei Jahre später nahm der neue Eigentümer Verformungen am Unterwasserschiff wahr und verlangte von den Verkäufern die Rücknahme der Segelyacht und Rückzahlung des Kaufpreises. Das Oberlandesgericht gab dem neuen Eigentümer Recht und bestätigte damit das erstinstanzliche Urteil des Landgerichts Kiel. Das Gericht legte die Garantieerklärung des Verkäufers dahingehend aus, dass der Verkäufer "nicht nur das bloße Fehlen von äußeren Merkmalen der Osmose (Bläschenbildung) und einen normalen, altersgemäß osmosegeschädigten Zustand der Segelyacht zugesagt hatte, sondern darüber hinaus einen über den Normalzustand eines 30-jährigen Bootes hinausgehenden Zustand ohne Osmoseschaden". Damit entsprach der Zustand des Bootes zum Zeitpunkt des Verkaufs nicht der Garantieerklärung. Der gerichtliche bestellte Sachverständige hatte Schädigungen des Boots durch Osmose festgestellt. Die gemessene Feuchtigkeit im Laminat von durchschnittlich 40 % lag weit über dem Wert, der noch keinen schadhaften Osmosebefall darstellte.

Quelle: Schleswig-Holsteinisches Oberlandesgericht - PM 19/2011 vom 21.06.2011 von 26.05.2011
http://www.schleswig-holstein.de/OLG/ Externer Link
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