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Artikelnummer: 11062636
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FACEBOOK LERNT GESICHTSERKENNUNG
Noch erkennt Facebook nur wenige Bilder von Benutzern automatisch. Aber das System läuft jetzt auch in Deutschland, und es lernt Tag für Tag dazu. Dies berichtet die Stuftung Warentest. Facebook sieht das als Verbesserung der Bedienung. Datenschützer sind entsetzt. Das soziale Netzwerk könnte bald einen großen Teil aller Internetnutzer automatisch erkennen.
Wirklich neu ist das nicht: Spezielle Computerprogramme können Fotos vergleichen und mit hoher Treffsicherheit erkennen, wenn auf zwei Fotos dieselbe Person ist. Bildverarbeitungsprogramme wie Picasa, iPhoto oder Photoshop Elements bieten die Funktion bereits - allerdings nur offline und für die eigenen Fotosammlung. Für die Datenschützer ist die Speicherung von solchen biometrischen Daten der Horror. Mit ihnen und mit Bildern von Überwachungskameras können Personen automatisch erkannt und umfangreiche Bewegungsprofile angelegt werden. Facebook nutzt die Gesichtserkennung seit Ende vergangenen Jahres in den USA und seit einigen Tagen auch in Deutschland. So funktionierts: Wenn Facebook-Benutzer neue Fotos hochladen, untersuchen die Rechner des sozialen Netzwerks die Dateien und versuchen herauszufinden, ob Facebook-Freunde des Benutzer darauf sind. Dazu werten sie Bilddateien aus, die bei Facebook bereits abgespeichert und mit Informationen versehen sind. Bei ausreichend hoher Ähnlichkeit schlägt das System vor, die Datei mit dem Namen des Freundes zu markieren. Derzeit markieren Nutzer nach Angaben von Facebook Fotos schon mehr als 100 Millionen Mal am Tag. Mit anderen Worten: Das soziale Netzwerk mit seinen 600 Millionen Nutzern kann einen zunehmend großen Teil der Internetnutzer weltweit automatisch erkennen. Technisch ist dann ohne weitere möglich, dass Computer anhand der Facebook-Daten die Bilder von Überwachungskameras auswerten und sofort Name, Adresse und sonst verfügbare Daten von Passanten auf den Bildschirm liefern. Die Daten solcher Gesichtserkennungen lassen sich schließlich zu gewaltigen Bewegungsprofilen verknüpfen. Abschaltung unmöglich Viele Berichte zur Facebook-Gesichtserkennung suggerieren: Die Funktion lässt sich deaktivieren. Der beschriebene Weg ist korrekt, aber die Bewertung geht viel zu weit: Laut Facebook unterbleibt nur der Vorschlag des Namens zum Bild. Die Gesichtserkennung als solche läuft offenbar weiter. Etwas mehr Datenschutz bringt nur die tief im Facebook-Hilfesystem verborgene und kaum verständliche Anleitung zum Löschen der Informationen für Markierungsvorschläge. Das betrifft jedoch nur die Daten zu selbst hochgeladenen Bildern. Wenn andere Facebook-Benutzer Bilder einstellen und Informationen dazu abspeichern, können Betroffene selbst nichts unternehmen. Ihnen bleibt nur, den anderen Facebook-Nutzer um Löschung zu bitten. Nach deutschem Recht ist klar: Die Speicherung und Nutzung von biometrischen Daten ist nur zulässig, wenn Betroffene ausdrücklich eingewilligt haben oder wenn sie gesetzlich genau geregelt ist. Nach Ansicht von Facebook gelten allerdings nicht die deutschen, sondern die irischen Regeln.

Quelle: Stiftung Warentest - PM vom 10.06.2011 von 10.06.2011
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