Hamburg / Handels- und Gesellschaftsrecht / Steuerrecht /
Artikelnummer: 11041021
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BETRIEB EINER RINDERZUCHT UND WEIDEWIRTSCHAFT DURCH EINE KAPITALGESELLSCHAFT ALS 'LIEBHABEREI'
Betreibt eine Kapitalgesellschaft neben ihrem Kerngeschäft eine Rinderzucht und eine Weidewirtschaft und erziele sie hieraus über einen geschlossenen Verlustzeitraum von elf Jahren Verluste, so kann dies nach der Auffassung des Finanzgerichts Hamburg ein Indiz dafür sein, dass die Gesellschaft die Rinderzucht und die Weidewirtschaft nicht im eigenen Interesse, sondern im Interesse der Gesellschafter unterhalte.
Die Antragstellerin, eine GmbH mit Sitz in Hamburg, betreibt ein Dienstleistungsunternehmen im Bereich des Beförderungsverkehrs. In dem streitrelevanten Zeitraum waren die beiden Gesellschafter als Geschäftsführer bestellt. Seit 1996/1997 betreibt die Gesellschaft zudem die Zucht und den Vertrieb von Fleischrindern der Rasse X. Die Weideflächen, die sie zunächst gepachtet und später gekauft hatte, liegen in Hamburg. Im Zusammenhang mit der Rinderzucht erwarb die Hamburger GmbH die Marke „…“, die für Rindfleisch aus natürlicher und artgerechter Haltung steht. Außerdem erweiterte sie 1999 ihren Satzungszweck um folgenden Zusatz: „Die Zucht und der Vertrieb von Fleischrindern der Rasse Y. Die Haltung soll in Gemeinschaft mit Pensionspferden erfolgen. Ziel ist ein Beistellrind zur Weidepflege in naturnaher Haltung.“ Vor Aufnahme der Rinderzucht durch die GmbH hatten die beiden Gesellschafter bereits eine private Pferdehaltung betrieben. Die vom Finanzamt durchgeführten Betriebsprüfungen betreffend die Jahre 1997 bis 2003 ergaben für die Rinderzucht und den Weidebetrieb jeweils Verluste im fünfstelligen Bereich. Die Beteiligten des vom Finanzgericht Hamburg zu entscheidenden vorläufigen Rechtsschutzverfahrens stritten darüber, ob die von der Hamburger Gesellschaft im Zusammenhang mit dem Betrieb der Rinderzucht und Weidewirtschaft erzielten Verluste steuerlich anzuerkennen sind. Die Hamburger Richter haben in ihrer Entscheidung ausgeführt: Betreibe eine Kapitalgesellschaft neben ihrem Kerngeschäft eine Rinderzucht und eine Weidewirtschaft und erziele sie hieraus über einen geschlossenen Verlustzeitraum von elf Jahren Verluste, so könne das ein Indiz dafür sein, dass die Gesellschaft die Rinderzucht und die Weidewirtschaft nicht im eigenen Interesse, sondern im Interesse der Gesellschafter unterhalte. Ob die Gesellschaft im Eigen- oder im Gesellschafterinteresse handele, sei grundsätzlich nach denjenigen Regeln zu beurteilen, die bei natürlichen Personen und Personengesellschaften für die Abgrenzung der auf Einkunftserzielung gerichteten Tätigkeit von der steuerlich unbeachtlichen „Liebhaberei“ gelten würden. Bestehe in diesem Sinne die Vermutung der „Liebhaberei“, so könnten die Verluste auch in dem summarischen Verfahren der Aussetzung der Vollziehung als verdeckte Gewinnausschüttungen dem Einkommen der Gesellschaft außerbilanziell hinzuzurechnen sein.

Quelle: Finanzgericht Hamburg - Newsletter 1/2011 von 11.02.2011
http://justiz.hamburg.de/finanzgericht/ Externer Link
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