Bayern / Straßenverkehrsrecht /
Artikelnummer: 11031337
Trennlinien
INWIEWEIT SIND VORERKRANKUNGEN BEI DER BERECHNUNG DES SCHADENERSATZES MAßGEBLICH?
Die Klage eines bei einem Unfall mit einem Auto verletzten Fahrradfahrers gegen die Unfallgegnerin und deren Versicherung auf Schmerzensgeld und Schadenersatz vor dem Landgericht Coburg wurde überwiegend abgewiesen. Die Behauptung des klagenden Fahrradfahrers, umfangreiche Behandlungen an seinem Knie seien wegen des Unfalls erforderlich geworden, konnte nicht nachgewiesen werden.
Im Jahr 2002 kam es zu einem Zusammenstoß zwischen dem klagenden Radfahrer und einer Pkw-Fahrerin. Die Autofahrerin wollte in ein Tankstellengelände einbiegen und kreuzte dabei den Radweg, auf dem der klagende Radfahrer unterwegs war. Dabei kam es zur Kollision. Nach dem Unfall musste der klagende Radfahrer stationär behandelt werden. Dabei wurde auch eine Kniespiegelung durchgeführt. Wegen Schmerzen und Beschwerden im Knie schlossen sich weitere - auch stationäre - Behandlungen des Knies an, die bis in das Jahr 2005 dauerten. Der klagende Radfahrer behauptete, dass die Autofahrerin den Radweg vor der Kollision schon nahezu komplett blockiert habe. Infolge des Unfalls habe er vier Operationen mit entsprechenden Gehproblemen über sich ergehen lassen müssen. Er habe auch seinen Haushalt in dieser Zeit nur eingeschränkt führen können. Wegen dieses Haushaltsführungsschadens und der Fahrtkosten zu den Behandlungen wollte der klagende Radfahrer Schadenersatz in Höhe von 10.000,00 Euro. Da er einen Dauerschaden im Knie erlitten habe, meinte der Radfahrer, ihm stünde Schmerzensgeld in Höhe von mindestens 20.000,00 Euro zu. Die Autofahrerin und ihre Versicherung meinen, dass den Radfahrer ein erhebliches Mitverschulden am Verkehrsunfall träfe. Der Radfahrer hätte das Auto der Beklagten sehen und anhalten können. Daneben habe die Möglichkeit bestanden, am Pkw der beklagten Autofahrerin vorbeizufahren. Auch habe sich der Kläger beim Unfall keine Verletzung seines Kniegelenks zugezogen. Im Rahmen der Krankenhausbehandlung habe sich gezeigt, dass eine unfallunabhängige degenerative Vorerkrankung des Kniegelenks vorgelegen habe. Das vom klagenden Radfahrer geforderte Schmerzensgeld sei weit überhöht, da kein Dauerschaden im Zusammenhang mit dem Unfallereignis vorläge . Das Landgericht hat der Klage nur in Höhe von etwa 2.150,00 Euro stattgegeben. Davon hatte die Versicherung bereits vor dem Prozess 500,00 Euro bezahlt. Allerdings gelangte das Gericht zu der Überzeugung, dass die Pkw-Fahrerin die alleinige Verantwortung für den Unfall trug. Denn sie hätte beim Einfahren auf das Tankstellengelände sich so verhalten müssen, dass eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen war. Dass der Radfahrer hätte anhalten oder ausweichen können, konnten die Beklagte nicht nachweisen. Das Landgericht war jedoch nach der Einschaltung von insgesamt drei Sachverständigen davon überzeugt, dass die beim klagenden Radfahrer festgestellte Erkrankung seines Kniegelenks nicht mit dem Unfall im Jahre 2002 im Zusammenhang steht. Eine Knieverletzung des klagenden Radfahrers bei dessen Untersuchung im Kernspintomographen und beim Röntgen unmittelbar nach dem Verkehrsunfall im Krankenhaus wurde nicht diagnostiziert. Ein medizinischer Sachverständiger stellte fest, dass eine Behandlung von drei Tagen unmittelbar nach dem Unfall zur Aufklärung der Beschwerden des Klägers notwendig war. Dabei seien auch unfallunabhängige Kniebeschwerden mit operiert worden. Auch eine weitere dreitägige Krankenhausbehandlung führte der Sachverständige auf das Unfallereignis zurück. Nach diesen Krankenhausbehandlungen war der klagenden Radfahrer auch zu 15 % in seiner Fähigkeit seinen eigenen Haushalt zu führen beeinträchtigt. Alle weiteren langwierigen Behandlungen des Knies und die darauf zurückzuführenden Beschwerden waren nach Auffassung des Sachverständigen nicht auf den Unfall zurückzuführen. Den ausführlichen und überzeugenden Angaben des Sachverständigen schloss sich das Gericht an. Für die erlittenen finanziellen Schäden wurden dem klagenden Radfahrer ca. 150,00 Euro Schadenersatz zugesprochen. Schmerzensgeld sprach das Gericht jedoch in Höhe von 2.000,00 Euro zu. Der klagende Radfahrer hatte beim Unfall vor allem Prellungen erlitten, die keine länger andauernden Beschwerden verursachten. Andererseits war zu berücksichtigen, dass zwei Krankenhausaufenthalte infolge des Unfalls notwendig wurden. Daher erachtete das Gericht ein Schmerzensgeld in Höhe von 2.000,00 Euro als angemessen und ausreichend.

Quelle: Landgericht Coburg - PM 465/11 vom 21.01.2011 von 30.04.2010
http://www.justiz.bayern.de/gericht/lg/co/ Externer Link
ArtikelübersichtFacebookNach oben