Erbrecht / Nordrhein-Westfalen /
Artikelnummer: 11021004
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ERBSCHAFTSFOLGE BEI TOD EINES KINDERLOSEN ERBLASSERS OHNE ELTERN UND GROßELTERN
Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat entschieden, dass bei Tod des kinderlosen Erblassers ein Abkömmling der Großeltern väterlicherseits und ein Abkömmling der Großmutter mütterlicherseits je zur Hälfte erben. Dies gilt dann, wenn die Eltern und die Großeltern des kinderlosen Erblassers zur Zeit des Erbfalls bereits verstorben sind.
Der verstorbene Erblasser war unverheiratet und kinderlos. Seine Eltern sowie seine Großeltern waren zur Zeit des Erbfalls bereits verstorben. Die Großmutter mütterlicherseits hatte aus zweiter Ehe einen Sohn (Beteiligter zu 1). Die Großeltern väterlicherseits hatten noch zwei Töchter. Eine ist ohne Abkömmlinge verstorben. Der Sohn der Großmutter hat die Erteilung eines Erbscheins beantragt, wonach er Erbe zu je 1/2 ist. Die lebende Tochter der Großeltern väterlicherseits (Beteiligte zu 2) hat dem widersprochen und geltend gemacht, sie habe den Erblasser zu 3/4 beerbt. Das Nachlassgericht hat die Erteilung des Erbscheins für festgestellt erachtet. Dagegen wurde Beschwerde von der Beteiligten zu 2 eingelegt. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat die Beschwerde zurückgewiesen. Der angekündigte Erbschein weise die gesetzlichen Quoten der Beteiligten mit 1/2 Anteilen richtig aus. Wenn von einem Großelternpaar Großvater und Großmutter nicht mehr leben, treten die Abkömmlinge ein. Dabei wird jeder Großelternteil jeweils durch seine Abkömmlinge ersetzt, so dass gemeinsame und einseitige Abkömmlinge verschiedene Quoten erhalten. Sei beim Erbfall kein Abkömmling eines vorverstorbenen Großelternteils, sei er auch noch so weit entfernt, vorhanden, so gelange der entsprechende Erbanteil an den anderen Großelternteil dieses Großelternpaares bzw. an dessen Abkömmling. Das andere Großelternpaar oder dessen Abkömmlinge komme also allein dann zum Zug, wenn ein Großelternpaar vorverstorben ist, ohne dass beim Erbfall Abkömmlinge der verstorbenen Großeltern am Leben wären, so der Senat.

Quelle: Oberlandesgericht Düsseldorf - erhältlich in der Rechtsprechungsdatenbank Nordrhein-Westfalen von 28.12.2010
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