Erbrecht /
Artikelnummer: 11012702
Trennlinien
BEWERTUNG VON NACHLASSGEGENSTÄNDEN ORIENTIEREN SICH AM TATSÄCHLICH ERZIELTEN VERKAUFSPREIS
Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass die Bewertung von Nachlassgegenständen, die nach dem Erbfall veräußert werden, sich am tatsächlich erzielten Verkaufspreis orientiert, sofern nicht außergewöhnliche Verhältnisse vorliegen. Das gilt unabhängig davon, ob die Gegenstände zu einem Preis veräußert werden, der über oder unter dem durch einen Sachverständigen ermittelten Schätzwert liegt. Darlegungs- und beweispflichtig für den Wert des Nachlassgegenstandes im Zeitpunkt des Erbfalls ist der Pflichtteilsberechtigte.
Die Klägerin macht gegen die Beklagten Pflichtteils- und Pflichtteilsergänzungsansprüche geltend. Nach dem Tod der Erblasserin schlug die Klägerin die Erbschaft aus. Die zum Nachlass gehörenden Grundstücke wurden verkauft. In einer früheren Entscheidung hat der Bundesgerichtshof bereist ausgeführt, dass der tatsächlich erreichte Preis ein wesentlicher Anhaltspunkt für die Schätzung des Verkehrswerts sei, auch wenn er niedriger ausfalle als anhand allgemeiner Erfahrungswerte zu erwarten gewesen wäre. Darlegungs- und beweispflichtig für alle Tatsachen, von denen der Grund und die Höhe des von ihm erhobenen Anspruchs abhängen, sei der Pflichtteilsberechtigte. Ebenso treffe die Klägerin die Beweislast für erfolgte oder unterbliebene bauliche Veränderungen des Grundstücks nach dem Erbfall. Es könne dem Pflichtteilsberechtigten jedoch nicht verwehrt werden nachzuweisen, dass der Veräußerungserlös nicht dem tatsächlichen Verkehrswert entspreche.

Quelle: Bundesgerichtshof von 25.11.2010
http://www.bundesgerichtshof.de Externer Link
ArtikelübersichtFacebookNach oben