Straßenverkehrsrecht / Versicherungsrecht /
Artikelnummer: 10121001
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SCHADENSABRECHNUNG NACH ÜBLICHEN STUNDENVERRECHNUNGSSÄTZEN EINER MARKENGEBUNDENEN FACHWERKSTATT
Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass dem Gebot der Wirtschaftlichkeit im Allgemeinen Genüge getan ist, wenn der Geschädigte der Schadensabrechnung die üblichen Stundenverrechnungssätze einer markengebundenen Fachwerkstatt zugrunde legt, die ein von ihm eingeschalteter Sachverständiger ermittelt hat. Der Schädiger könne den Geschädigten aber auf eine günstigere Reparaturmöglichkeit in einer "freien Fachwerkstatt" verweisen, wenn er darlegt, dass eine Reparatur dort dem Qualitätsstandard einer markengebundenen Fachwerkstatt entspricht.
Der Kläger nimmt die Beklagten auf Ersatz restlichen Sachschadens aus einem Verkehrsunfall in Anspruch. Bei diesem wurde das mehr als zehn Jahre alte Auto des Klägers mit einer Laufleistung von über 190.000 km beschädigt. Die Parteien streiten sich um die Frage, ob sich der klagende Geschädigte im Rahmen der fiktiven Abrechnung seines Fahrzeugschadens auf niedrigere Stundenverrechnungssätze einer nicht markengebundenen Reparaturwerkstatt verweisen lassen muss oder ob er auf der Grundlage eines von ihm eingeholten Sachverständigengutachtens die Stundenverrechnungssätze einer markengebundenen Vertragswerkstatt erstattet verlangen kann. Der Bundesgerichtshofs führt in seiner Begründung an, dass der Geschädigte der Schadensabrechnung die üblichen Stundenverrechnungssätze einer markengebundenen Fachwerkstatt zugrunde legen kann. Des Weiteren könne der Schädiger den Geschädigten aber auf eine günstigere Reparaturmöglichkeit in einer "freien Fachwerkstatt" verweisen, wenn dies für den Geschädigten nicht unzumutbar sei. Eine solche Unzumutbarkeit müsse der Schädiger widerlegen. Unzumutbar sei eine Reparatur in einer "freien Fachwerkstatt" für den Geschädigten im Allgemeinen dann, wenn das beschädigte Fahrzeug im Unfallzeitpunkt nicht älter als drei Jahre war. Bei Kraftfahrzeugen, die älter als drei Jahre sind, könne für den Geschädigten eine Unzumutbarkeit bestehen, wenn er bspw. sein Auto bisher stets in einer markengebundenen Fachwerkstatt hatte warten und reparieren lassen. Im vorliegenden Fall könne eine Unzumutbarkeit für den Geschädigten nicht ausgeschlossen werden.

Quelle: Bundesgerichtshof von 22.06.2010
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