Bayern / Miet- und Wohnungseigentumrecht /
Artikelnummer: 10093005
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ZU AUSGLEICHSANSPRÜCHEN NACH DEM BUNDESBODENSCHUTZGESETZ
Der Klage einer Käuferin gegen ihren Verkäufer auf Sanierungskosten für das verkaufte Grundstück wurde stattgegeben. Das Landgericht Coburg hat der Käuferin Ausgleichsansprüche nach dem Bundesbodenschutzgesetz in Höhe von nahezu 60.000,00 Euro zugesprochen.
Vor über 20 Jahren verkaufte der Beklagte ein Grundstück an die klagende Käuferin. Im Jahr 2007 verkaufte diese einen Teil dieses Grundstücks und verpflichtete sich, dort eventuell vorhandene Bodenverunreinigungen beseitigen zu lassen. Das eingeschaltete Ingenieurbüro fand erhebliche Bodenkontaminationen, die für nahezu 60.000,00 Euro beseitigt wurden. Die klagende Käuferin behauptet, ihr Verkäufer sei verpflichtet die ihr entstandenen Kosten für die Sanierung zu erstatten. Die Bodenkontaminationen seien durch den ehemaligen Betrieb einer Tankstelle auf dem verkauften Grundstück entstanden. Der beklagte Verkäufer hat bestritten, dass die Kontaminationen auf seinen Betrieb zurückzuführen seien. Zudem habe er die Gewährleistung umfassend im Kaufvertrag ausgeschlossen. Das Landgericht Coburg gab der klagenden Käuferin recht und sprach einen Ausgleichsanspruch in Höhe von fast 60.000,00 Euro aus dem Bundesbodenschutzgesetz zu. Das Gericht stellte fest, dass beide Parteien nach dem Bundesbodenschutzgesetz sanierungsverpflichtet sind. Die Verpflichtung der klagenden Käuferin rührt daher, dass sie Grundstückeigentümerin war. Der beklagte Verkäufer muss als Verursacher für die Sanierung des Bodens einstehen. Der Ausgleichsanspruch zwischen den Parteien richtet sich nach dem Anteil an der Verursachung der schädlichen Bodenveränderung. Ziel der gesetzlichen Regelung ist es, den Alleinverursacher einer Bodenverunreinigung grundsätzlich mit den vollen Sanierungskosten zu belasten. Das Gericht hat deshalb einen Ausgleichsanspruch der klagenden Käuferin gegen den beklagten Verkäufer bejaht, weil dieser zur Überzeugung des Gerichts die Bodenkontamination verursacht hat. Ein vom Gericht angehörter Sachverständiger hat überzeugend dargelegt, dass die auf dem Grundstück festgestellte Dieselöl-Belastung auf die durch den beklagten Verkäufer dort betriebene Tankstelle zurückzuführen ist. Andere Entstehungsursachen hat der Sachverständige ausgeschlossen. Auch die Höhe der Sanierungskosten wurden zur Überzeugung des Gerichts nachgewiesen. Der Gewährleistungsausschluss, den die Parteien vor über 20 Jahren in ihrem Kaufvertrag vereinbart hatten, stand dem bodenrechtlichen Ausgleichsanspruch nicht entgegen. Ein solcher Gewährleistungsausschluss ist grundsätzlich eng auszulegen. Der vereinbarte Gewährleistungsausschluss wurde vom Gericht so verstanden, dass Ansprüche nach dem Bundesbodenschutzgesetz von ihm nicht erfasst werden sollten.

Quelle: Landgericht Coburg - PM Nr. 455/10 vom 27.09.2010 von 06.04.2010
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