Familienrecht / Hamburg / Strafrecht /
Artikelnummer: 10082001
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STRAFVERFAHREN GEGEN SOZIALPÄDAGOGIN
In dem Strafverfahren gegen die Sozialarbeiterin Marianne K. hat das Amtsgericht Hamburg-Harburg angekündigt, entsprechend dem Antrag der Staatsanwaltschaft gegen die Angeklagte im Wege des Strafbefehls eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 30 Euro festzusetzen.
Frau K. betreute im Auftrag des Jugendamts als Familienhelferin die Familie des am 6.05.2008 geborenen und im März 2009 gestorbenen Kindes Lara Mia R. Sie ist angeklagt, durch ihr Unterlassen fahrlässig eine Körperverletzung des Kindes verursacht zu haben. Konkret wird der angeklagten Familienhelferin von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, die infolge unzureichender Versorgung durch die Mutter eingetretene Gewichtsabnahme des Kindes zwar bemerkt, aber nicht die erforderlichen Maßnahmen ergriffen zu haben, um die mit der Unterernährung einhergehende Körperverletzung zu verhindern. Ob Lara Mia an der Unterernährung oder am plötzlichen Kindstod gestorben ist, konnte nicht geklärt werden. Die angeklagte Familienhelferin ist zu dem Verhandlungstermin vor dem Amtsgericht Hamburg-Harburg nicht erschienen. Ihr Verteidiger hatte bereits zuvor beim Gericht ein ärztliches Attest vorgelegt und mitgeteilt, sie sei krankheitsbedingt nicht in der Lage, an der Hauptverhandlung teilzunehmen. Die Staatsanwaltschaft hat daraufhin im Termin beantragt, gegen die angeklagte Familienhelferin einen Strafbefehl zu erlassen. Von der Durchführung einer Hauptverhandlung solle angesichts des Umstands, dass sich der Gesundheitszustand der angeklagten Familienhelferin seit der Anklageerhebung verschlechtert habe, abgesehen werden. Auch habe das zwischenzeitlich stattgefundene Strafverfahren gegen die Mutter Lara Mias und deren damaligen Lebensgefährten keine neuen Aspekte zu Tage gefördert, die in eine Hauptverhandlung gegen Frau K. eingebracht werden müssten. Das Gericht hat angekündigt, den Strafbefehl antragsgemäß zu erlassen. Zur Strafhöhe hat das Gericht darauf hingewiesen, dass die angeklagte Familienhelferin nicht vorbestraft sei. Auch müsse berücksichtigt werden, dass sie in besonderer Weise unter den Folgen der Tat leide. So sei sie seit dem Tode Lara Mias arbeitsunfähig krankgeschrieben. Die Strafprozessordnung sieht vor, dass gegen den nicht zum Hauptverhandlungstermin erschienenen Angeklagten ein Strafbefehl ergehen kann. Der Strafbefehl geht nicht mit einem Strafnachlass, also einer milderen Strafe, einher. Im Strafbefehlsverfahren wird der Angeklagte behandelt, als habe er den Anklagevorwurf vollumfänglich eingeräumt. Die Strafzumessung erfolgt nach Aktenlage. Gegen den Strafbefehl kann binnen zwei Wochen nach seiner Zustellung Einspruch eingelegt werden. Im Falle des Einspruchs wird ein Termin zur Hauptverhandlung anberaumt. Wird kein Einspruch eingelegt, steht der Strafbefehl nach Ablauf der Einspruchsfrist einem rechtskräftigen Urteil gleich.

Quelle: Amtsgericht Hamburg-Harburg - PM vom 17.08.2010 von 17.08.2010
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