Aus- und Fortbildung / Nordrhein-Westfalen / Steuerrecht /
Artikelnummer: 10072204
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ZUM ABZUG VON AUSBILDUNGSKOSTEN
Das Finanzgericht Münster hat eine klare Abgrenzung getroffen zwischen einer erstmaligen Berufsausbildung, deren Kosten steuerlich nur begrenzt berücksichtigt werden, und einer weiteren Ausbildung, deren Kosten voll abzugsfähig sind.
Im Streitfall hatte der Kläger im Rahmen des Zivildienstes über mehrere Monate eine Ausbildung zum Rettungssanitäter absolviert. Im Jahr 2005 begann er eine Ausbildung zum Verkehrsflugzeugführer und zahlte hierfür über 30.000 EUR. Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit erzielte der klagende Auszubildende erst ab Ende 2006, nachdem er eine Tätigkeit als Pilot aufgenommen hatte. Das Finanzamt setzte die Einkommensteuer für das Jahr 2005 auf 0 EUR fest und berücksichtigte hierbei die Kosten der Pilotenausbildung als Aufwendungen für eine erstmalige Berufsausbildung des klagenden Auszubildenden nur als Sonderausgaben in Höhe von 4.000 EUR. Einen Verlustvortrag in Folgejahre und damit eine Berücksichtigung der Aufwendungen in den Jahren, in denen der klagende Auszubildende Einkünfte als Pilot erzielte, lehnte es ab. Hiergegen wandte sich der klagende Auszubildende. Er ist der Auffassung, seine Aufwendungen für die Pilotenausbildung seien als vorweggenommene Werbungskosten in voller Höhe zu berücksichtigen. Für das Jahr 2005 sei daher ein Verlust festzustellen, der in den Folgejahren zu seinen Gunsten zu berücksichtigen sei. Das Einkommensteuergesetz stehe dem nicht entgegen, da seine Ausbildung zum Rettungssanitäter als Erstausbildung anzusehen sei. Dem hat sich das Finanzgericht nicht angeschlossen. Es ist vielmehr der Meinung, dass eine Erstausbildung im Sinne des Einkommensteuergesetzes nur vorliege, wenn es sich um eine Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf (Ausbildung z.B. nach dem Berufsbildungsgesetz oder der Handwerksordnung) handele. Dies sei der Fall, wenn der Beruf durch eine Ausbildung im Rahmen eines öffentlich-rechtlich geordneten oder hierzu vergleichbaren Ausbildungsganges erlernt werde und deren Dauer bei einer Vollzeitausbildung mindestens zwei Jahre betrage. Hieran fehle es bei der Ausbildung des klagenden Auszubildenden zum Rettungssanitäter. Daher sei die Pilotenausbildung des klagenden Auszubildenden als erstmalige Berufsausbildung anzusehen. Verfassungsrechtliche Bedenken an der Regelung des Einkommensteuergesetzes sah das Finanzgericht nicht.

Quelle: Finanzgericht Münster - PM vom 14.07.2010 von 06.05.2010
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