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Artikelnummer: 10061604
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REISEKOSTEN EINES UNTERNEHMERS FÜR DIE TEILNAHME AN OFFIZIELLEN REISEN VON REGIERUNGSMITGLIEDERN UND AM WORLD ECONOMIC FORUM KÖNNEN ABZIEHBAR SEIN
Nimmt ein Unternehmer an offiziellen Delegationsreisen von Regierungsmitgliedern und am World Economic Forum teil, so können die dafür anfallenden Reisekosten als Betriebsausgaben abziehbar sein. Dies hat der Bundesfinanzhof entschieden.
Der klagende Unternehmer hatte als Mitglied einer Wirtschaftsdelegation an Auslandsreisen des Ministerpräsidenten und des Wirtschaftsministers seines Bundeslandes und - zusammen mit seiner Ehefrau - auch an Tagungen des Weltwirtschaftsforums in Davos teilgenommen. Er ist Alleingesellschafter einer Aktiengesellschaft und ebenso wie sein Ehefrau auch deren Vorstand. Die Kosten der jeweiligen Reisen hatte die Aktiengesellschaft übernommen. Das Finanzgericht war der Meinung, die Reisen seien überwiegend privat veranlasst. Die von dem klagenden Ehepaar erhoffte Anbahnung geschäftlicher Kontakte sei zu unsicher gewesen, um von einem betrieblichen Interesse ausgehen zu können. Das Finanzgericht hat deshalb verdeckte Gewinnausschüttungen in Höhe der Reisekosten angenommen. Der Bundesfinanzhof hat das Urteil des Finanzgerichts aufgehoben und die Sache an das Finanzgericht zurückverwiesen. Im Streitfall kam eine Aufteilung der Reisekosten nach den beruflichen und privaten Zeitanteilen der Reise nicht in Betracht. Den Reisen lag auch kein unmittelbarer betrieblicher Anlass zugrunde. Deshalb war die betriebliche Veranlassung anhand einer umfassenden Abwägung aller für und gegen sie sprechenden Umstände zu prüfen. Die vom Finanzgericht vorgenommene Abwägung beurteilte der Bundesfinanzhof als fehlerhaft. Deshalb muss es nun im zweiten Rechtsgang noch einmal prüfen, ob die Reisen beruflich veranlasst waren. Nach Auffassung des Bundesfinanzhofs ist aufgrund der Auswahl der Reiseteilnehmer durch das zuständige Ministerium im Regelfall die von dem klagenden Ehepaar in Anspruch genommene Aussicht auf Anbahnung von Geschäftskontakten als hinreichendes betriebliches Interesse anzuerkennen. Eine private Veranlassung der Reisen sei aufgrund des Programmablaufs grundsätzlich ausgeschlossen gewesen.

Quelle: Bundesfinanzhof - PM Nr. 51 vom 09.06.2010 von 09.03.2010
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