Rheinland-Pfalz / Strafrecht / Veranstaltungsrecht /
Artikelnummer: 10060417
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UNFALL DES RING-RACERS AM NÜRBURGRING 2009: VERFAHREN EINGESTELLT
Am 03.09.2009 kam es im Bereich der Startrampe des Ring-Racers am Nürburgring zu einer Explosion mit lautem Knall, in dessen Folge sechs Arbeiter ein Knall-Trauma erlitten. Teilweise stellten die Verletzten Strafantrag. Wegen dieses Vorfalls war das ursprünglich von Amts wegen eingeleitete Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen den Projektmanager und Leiter der Versuchsreihe zur Installation des sog. Ring-Racers am Nürburgring anhängig. Das Verfahren wurde jetzt gemäß § 170 Abs. 2 der Strafprozessordnung mangels Straftat eingestellt.
Am 03.09.2009 ging über Notruf bei der Polizeidienststelle in Adenau eine Mitteilung ein, dass am Nürburgring eine Explosion stattgefunden habe. Nach den ersten Feststellungen waren Reparaturarbeiten am Ring-Racer der Auslöser des lauten Knalls, dessen Verursachung jedoch nicht beabsichtigt gewesen ist. Im Rahmen von Reparatur- und Testarbeiten an der Achterbahn "Ring-Racer" des Nürburgrings kam es auch zu Testversuchen. Die Explosion erfolgte bei Durchführung einer Versuchsreihe, die noch im Herstellerwerk erarbeitet und aufgestellt worden ist. Im Bereich der Startrampe des Ring-Racers war zum Zeitpunkt des Vorfalls eine Kolonne von sechs Arbeitern einer Firma mit Pflasterarbeiten und Landschaftsbau befasst. Zudem war in der Nähe eine weitere Person mit Anstreicherarbeiten beschäftigt. Zur selben Zeit liefen an der Achterbahn Probefahrten, was die Arbeiter zum Teil auch beobachteten. Besondere Verhaltensregeln waren zu dieser Zeit nicht erteilt worden. Der vernommene Kolonnenführer der Arbeiter verspürte nach der Explosion und dem entsprechenden Knall gegen 13:20 Uhr starken Druck im Kopf und erlitt etwa eine Stunde später starke Kopfschmerzen. Er begab sich hiernach in ärztliche Behandlung. Diagnostiziert wurde bei ihm ein Knall-Trauma. Die behandelnden Ärzte wurden von ihm von der Schweigepflicht entbunden. Auch andere Arbeiter, die vernommen wurden, erlitten derartige Schmerzen. Unmittelbar nach der Explosion wurden im engeren Bereich durch Security-Mitarbeiter Schutztore geschlossen, die u.a. dem Lärmschutz dienen. Die Arbeiter wurden gebeten, den normalen Fluchtweg zu benutzen, der weiter zugänglich war. Keiner der Arbeiter hat zu diesem Zeitpunkt über Verletzungen geklagt. Die Baugruppe packte ihre Werkzeuge zusammen und verließ mit einem firmeneigenen Bus diese Baustelle. Auch hinsichtlich der anderen Arbeiter sind gesundheitliche Probleme im Zusammenhang mit eventuellen Hörschäden erst später bekannt geworden. Eine Überprüfung des TÜV Rheinland in Köln befasste sich mit den entstandenen Schäden, um eine Größenvorstellung über die aufgetretenen Belastungen zu erhalten und sämtliche Bauteile zu überprüfen. Dies waren die ersten Maßnahmen, die vom TÜV Rheinland in Köln unmittelbar nach dem Ereignis ergriffen bzw. angeordnet worden waren, zumal sich am 16.07.2009 gegen 14.00 Uhr bereits ein gleichartiger Vorfall ohne Verletzungsfolgen ereignet hatte, hinsichtlich dessen ebenfalls der TÜV-Rheinland entsprechende Untersuchungen und Maßnahmen in die Wege geleitet hatte. In einer späteren gutachterlichen Stellungnahme des TÜV-Rheinland in Köln kommen die untersuchenden sachverständigen Ingenieure zu dem Ergebnis, dass ein Softwarefehler vorlag. Bei dem letzten der Testläufe erkannte die Software eine bestimmte Funktion nicht genau, so dass der an sich erforderliche Startabbruch, der hätte erfolgen müssen, verhindert wurde. Dies führte offenbar zur Explosion. Der Beschuldigte hat sich über seinen Verteidiger dahin eingelassen, dass aus seiner Sicht keinerlei Anhaltspunkte für ein Versagen der Anlage gegeben waren, und alle Überprüfungen vor Durchführung des Versuchs dazu geführt hätten, dass keinerlei Störungen zu erkennen waren. Der Fehlschlag des letzten Versuchs ist für den Beschuldigten wie für sonstige Mitarbeiter völlig überraschend aufgetreten. Dies gilt insbesondere, da Überprüfungen über die Software, als auch sämtliche Überprüfungen der mechanischen Einrichtungen keinerlei Hinweise auf irgendwelche Fehlfunktionen ergeben haben. Unter Berücksichtigung dieser Ermittlungsergebnisse ist ein Verschulden irgendeines an den Test- oder Probeläufen Beteiligten nicht erkennbar, zumal es sich ausdrücklich um Probeläufe gehandelt hatte, um die Sicherheit der Anlage zu testen.

Quelle: Staatsanwaltschaft Koblenz - PM vom 02.06.2010 von 02.06.2010
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