Berlin / Medizinrecht / Strafrecht /
Artikelnummer: 10052014
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URTEIL DES LANDGERICHTS BERLIN WEGEN ZWEIER TOTER UND MEHREREN VERLETZTEN BEI EINER THERAPIESITZUNG
Das Landgericht Berlin hat den 51-jährigen Angeklagten Garri R. wegen Körperverletzung mit Todesfolge in zwei Fällen und gefährlicher Körperverletzung in fünf Fällen jeweils in Tateinheit mit unerlaubter Abgabe von Betäubungsmitteln zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten verurteilt. Daneben wurde ein Lebenslanges Verbot zur Ausübung der Berufe des niedergelassenen Arztes und des Psychotherapeuten ausgesprochen. Der Angeklagte wurde von der Untersuchungshaft verschont und das genannte Berufsverbot vorläufig angeordnet.
Der angeklagte Arzt hatte am 19. September 2009 als Arzt und Psychotherapeut seiner Therapiegruppe Neocor und MDMA (Ecstasy) verabreicht, wobei er, obwohl ihm Zweifel kamen, die Menge des MDMA falsch dosierte. In der Folge kam es bei sämtlichen sieben Patienten zu erheblichen pathologischen Reaktionen, die im Falle eines 28-jährigen und eines 59-jährigen Patienten zu deren Tod führten. Das Gericht wertete das Tatgeschehen als Körperverletzung mit Todesfolge in zwei Fällen und gefährlicher Körperverletzung in fünf Fällen jeweils in Tateinheit mit unerlaubter Abgabe von Betäubungsmitteln, da der angeklagte Arzt aufgrund seines den Patienten überlegenen Wissens die Tatherrschaft innehatte. Insbesondere hatte er es unterlassen die Patienten über die genauen Mittel, deren Wirkung, Dosierung und Gefahren aufzuklären. Daneben war zu beachten, dass die vom Angeklagten angewandte psycholytische Therapie wissenschaftlich nicht anerkannt ist. Bei der Frage der Strafzumessung wertete das Gericht zulasten des angeklagten Arztes die erheblichen Folgen seines Handelns. Zu seinen Gunsten wurde berücksichtigt, dass er die Tat immer einräumte, dass er unbestraft ist und viele Jahre beanstandungsfrei als Arzt tätig war. Letztlich wurde beachtet, dass das Gericht davon ausgeht, dass der Angeklagte die Folgen seiner Tat nicht beabsichtigte. Das Gericht verhängte ein lebenslanges Berufsverbot für die Tätigkeit als niedergelassener Arzt und Psychotherapeut, da der Angeklagte angekündigt hatte, dass er an seiner Therapiemethode festhalten würde. Jedoch sieht das Gericht die Möglichkeit, dass der Angeklagte als angestellter Arzt weiterhin tätig sein könnte. Letztlich wurde der Haftbefehl unter Anordnung strenger Auflagen ausgesetzt und der Angeklagte von der Untersuchungshaft verschont.

Quelle: Landgericht Berlin - PM Nr. 25/2010 vom 10.05.2010 von 10.05.2010
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