AGB-Recht / Anlegerschutz / Insolvenzrecht & Zwangsvollstreckung / Miet- und Wohnungseigentumrecht /
Artikelnummer: 10040908
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ZUR ZULÄSSIGKEIT EINER ZWANGSVOLLSTRECKUNG AUS EINER UNTERWERFUNGSERKLÄRUNG FÜR DEN ZESSIONAR EINER SICHERUNGSGRUNDSCHULD
Der Bundesgerichtshof hatte über die Wirksamkeit einer formularmäßigen Unterwerfung unter die sofortige Zwangsvollstreckung in einer notariellen Grundschuldbestellungsurkunde zu entscheiden.
In dem zugrunde liegenden Fall wendet sich die klagende Hauseigentümerin gegen die Zwangsvollstreckung der beklagten Gesellschaft aus einer notariellen Urkunde über die Bestellung einer inzwischen mehrfach abgetretenen Grundschuld, die sie ihrer Hausbank im Jahr 1989 anlässlich einer Darlehensgewährung zur Absicherung aller Ansprüche aus der bankmäßigen Geschäftsbeziehung gewährt hatte. In der notariellen Urkunde hatte sich die klagende Hauseigentümerin wegen aller Ansprüche aus der Grundschuld der sofortigen Zwangsvollstreckung in das belastete Grundstück unterworfen. Nachdem die klagende Hauseigentümerin nicht in der Lage war, eine im Jahr 2000 geschlossene vergleichsweise Einigung zur Rückführung ihrer Darlehensverbindlichkeiten zu erfüllen, kündigte ihre Hausbank im Jahr 2002 die Geschäftsverbindung und forderte sie zur Rückzahlung der Restforderung in Höhe von ca. 580.000 Euro auf. Am 7. Dezember 2004 verkaufte die Bank sämtliche Forderungen gegen die klagende Hauseigentümerin und trat der Käuferin auch die Grundschuld ab. Nach einer weiteren Abtretung der Ansprüche und der Grundschuld im Jahr 2005 wurde im Jahr 2007 die beklagte Gesellschaft als Inhaberin der Grundschuld im Grundbuch eingetragen und auf dem Grundschuldbrief vermerkt. Nach Umschreibung der Vollstreckungsklausel leitete die Gesellschaft gegen die klagende Hauseigentümerin im Mai 2008 die Zwangsvollstreckung ein. Die klagende Hauseigentümerin hält die Zwangsvollstreckung aus der notariellen Unterwerfungserklärung unter anderem deshalb für unzulässig, weil diese vorformulierte Klausel in Kombination mit der freien Abtretbarkeit des Darlehensrückzahlungsanspruchs und der Grundschuld sie unangemessen benachteilige und daher unwirksam sei. Der Bundesgerichtshof hat der Klage nur zum Teil stattgegeben und die Zwangsvollstreckung der beklagten Gesellschaft hinsichtlich der bis zum Jahr 2004 angefallenen Grundschuldzinsen für unzulässig erachtet, weil diese verjährt seien. Die Zwangsvollstreckung als solche aufgrund der formularmäßigen Unterwerfungserklärung hat das Gericht dagegen als zulässig angesehen. Insbesondere hat es auch aufgrund der in den letzten Jahren vermehrt aufgetretenen Kreditverkäufe keinen Anlass gesehen, die ständige Rechtsprechung aller damit befassten Senate des Bundesgerichtshofs zu ändern und die bankübliche Unterwerfungsklausel zu beanstanden, nachdem auch der Gesetzgeber im Rahmen des Risikobegrenzungsgesetzes keine gesetzlichen Maßnahmen ergriffen habe. Allerdings hat der Bundesgerichtshof für die Umschreibung des Vollstreckungstitels auf den neuen Grundschuldgläubiger entschieden, dass diese im Falle einer - in der Praxis üblichen - Sicherungsgrundschuld dessen Eintritt in den Sicherungsvertrag erfordert. Dies ergebe sich aus einer an den Interessen der Parteien orientierten Auslegung der Unterwerfungserklärung. Damit wird einer andernfalls möglichen Verschlechterung der Rechtsposition des Kreditnehmers und Grundschuldbestellers entgegengewirkt. Ob die beklagte Gesellschaft unter diesem Gesichtspunkt zu Recht aus der Unterwerfungserklärung gegen die klagende Hauseigentümerin vorgehen durfte, konnte das Gericht nicht entscheiden, weil die Prüfung dieser Frage dem Klauselerteilungsverfahren vorbehalten ist und die klagende Hauseigentümerin diesen Weg nicht beschritten habe. Im Rahmen der von ihr erhobenen Vollstreckungsgegenklage könne diese Frage nicht geprüft werden. Nach dieser Entscheidung des Bundesgerichtshofs hat künftig bereits im Klauselerteilungsverfahren die für die Titelumschreibung zuständige Stelle (Rechtspfleger, Notar) von Amts wegen zu prüfen, ob der neue Grundschuldinhaber den Eintritt in den Sicherungsvertrag nach den Maßgaben nachgewiesen hat. Diese Lösung hat den Vorteil, dass der Schuldner nicht aus der Rolle des Verteidigers in diejenige des Angreifers, nämlich des Klägers in einem Vollstreckungsgegenklageverfahren, gezwungen wird. Erst im Falle der Klauselerteilung muss er - möchte er sich dagegen wehren - von den in diesem Verfahren vorgesehenen Rechtsbehelfen Gebrauch machen.

Quelle: Bundesgerichtshof - PM Nr. 68/2010 vom 30.03.2010 von 30.03.2010
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