Anlegerschutz /
Artikelnummer: 10032503
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ZUR ANWENDBARKEIT DES KREDITWESENGESETZES UND DES AUSLANDINVESTMENTGESETZES AUF DEN KAUF VON AKTIEN EINER GESELLSCHAFT TÜRKISCHEN RECHTS
Der Bundesgerichtshof hat das Schadensersatzverlangen eines Erwerbers türkischer Aktien zurückgewiesen.
Der Kläger erwarb im Jahr 1999 in einer Moschee im Ruhrgebiet für DM 40.500 in bar Aktien der Beklagten, einer nicht börsennotierten Aktiengesellschaft mit Sitz in der Türkei. Er wollte mit der Anlage zwar eine gute Rendite erzielen, jedoch nicht gegen den Koran verstoßen und deshalb keine Zins- und Spekulationsgewinne erzielen. Die beklagte Aktiengesellschaft zahlte im Jahr 2000 rund DM 5.000 bar an den klagenden Anleger. Seither leistete sie keine weiteren Zahlungen mehr und weigerte sich, die Anteile gegen Rückzahlung des Anlagebetrags zurückzunehmen. Der klagenden Anleger verlangt im Wege des Schadensersatzes den eingesetzten Kapitalbetrag. Er behauptet, seitens der beklagten Aktiengesellschaft sei ihm zugesagt worden, dass die Anlage eine jährliche Rendite von 10 % abwerfe und der Anlagebetrag auf entsprechenden Wunsch zurückgezahlt werde. Der Bundesgerichtshof hat die internationale Zuständigkeit deutscher Gerichte und die Anwendbarkeit deutschen Rechts bejaht, soweit die Klage auf deliktische Handlungen gestützt wurde, die in Deutschland begangen worden sind. Der Bundesgerichtshof hat aber deliktische Ansprüche verneint. Der klagenden Anleger kann keinen Schadensersatz wegen Verstoßes gegen die Erlaubnispflicht des Kreditwesengesetz verlangen, weil die Veräußerung der eigenen Aktien durch die beklagte Aktiengesellschaft kein Bankgeschäft in Form des Einlagengeschäfts im Sinne des Kreditwesengesetz darstellte. Eine Verletzung der zum Zeitpunkt des Anteilverkaufs bestehenden Anzeigepflicht nach dem Auslandinvestmentgesetz ist ebenfalls nicht gegeben, weil keine Anteile an einem ausländischen Investmentvermögen im Sinne dieses Gesetzes vertrieben worden sind. Dafür wäre Voraussetzung gewesen, dass das Vermögen der beklagten Aktiengesellschaft nach dem Grundsatz der Risikomischung, d.h. zur Sicherung des Kapitalwerts der zufließenden Gelder in einer Vielzahl von Wertpapieren oder Grundstücken oder beiden angelegt gewesen wäre. Die beklagte Aktiengesellschaft verfolgte aber nicht vorrangig das Ziel, den Kapitalwert der Anlagen zu sichern, sondern Gewinne durch unterschiedliche unternehmerische Beteiligungen zu erwirtschaften. Der beklagten Aktiengesellschaft war ebenso wie dem in Deutschland tätigen Verkäufer der Anteile nach den Feststellungen des Berufungsgerichts ein betrügerisches oder sittenwidrig schädigendes Vorgehen nicht nachzuweisen.

Quelle: Bundesgerichtshof - PM Nr. 60/2010 vom 23.03.2010 von 23.03.2010
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