Arbeitsrecht / Medizinrecht /
Artikelnummer: 10022511
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GEBURTSFEHLER - ANGESTELLTE ÄRZTE EINES KRANKENHAUSES HAFTEN NICHT FÜR FEHLER VON HEBAMMEN
Eine Hebamme ist auch nach Übernahme der Geburt durch den angestellten Kreißsaalarzt nicht dessen Erfüllungs- oder Verrichtungsgehilfe. Das bedeutet, für einen Fehler der Hebamme haften diese und das Krankenhaus, bei der sie angestellt ist, nicht aber der ebenfalls angestellte Kreißsaalarzt. Dies hat das Landgericht Osnabrück entschieden.
Die Krankenkasse eines heute 26-jährigen Mannes verlangte von der beklagten Ärztin Schadensersatz (aus übergegangenem Recht), da dieser bei seiner Geburt schwer verletzt worden war. Bei seiner Geburt hatte die beklagte Ärztin seine Mutter zunächst untersucht und dann die weitere Überwachung der Geburt der ebenfalls für das Krankenhaus tätigen Hebamme überlassen. Diese hatte, wie jetzt im Prozess ein Sachverständiger erläuterte, den Wehenschreiber falsch ausgewertet, eingetretene Komplikationen zu spät erkannt und deshalb die beklagte Ärztin nicht rechtzeitig genug herbeigerufen. Der klagende Mann erlitt eine Sauerstoffunterversorgung und kam schwer behindert zur Welt. Hierfür ist die beklagte Ärztin allerdings nicht verantwortlich, so das Landgericht Osnabrück. Sie habe, wie der gerichtliche Sachverständige bestätigt hat, alles richtig gemacht, nachdem sie hinzugerufen worden war. Die Ärztin, so das Gericht, hafte aber auch nicht für das Fehlverhalten der Hebamme. Zwar hat der Bundesgerichtshof für als Belegärzte tätige Geburtsmediziner anerkannt, dass mit Übernahme der Geburt - also regelmäßig mit Durchführung der Eingangsuntersuchung im Kreissaal - die Hebamme zum Erfüllungsgehilfen des Arztes werde. Dies gelte jedoch nach Auffassung des Gerichts nur im Verhältnis zu einem als Belegarzt tätigen Arzt, nicht im Verhältnis zu einem angestellten Arzt. Arbeitet eine im Krankenhaus tätige Hebamme mit einem angestellten Arzt zusammen, wird sie als Erfüllungs- und Verrichtungsgehilfin nur für das Krankenhaus tätig.

Quelle: Landgericht Osnabrück – PM Nr. 5/10 vom 24.02.2010 von 24.02.2010
http://www.landgericht-osnabrueck.niedersachsen.de Externer Link
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