Anlegerschutz /
Artikelnummer: 10021410
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LEHMAN-ZERTIFIKATE, BERUFUNGSVERHANDLUNGEN VOR DEM HANSEATISCHEN OBERLANDESGERICHT
In den Schadensersatzprozessen zweier Anleger gegen die Hamburger Sparkasse wegen des Erwerbs von Lehman-Zertifikaten verhandelt derzeit das Hanseatische Oberlandesgericht über die Berufungen der beklagten Sparkasse gegen die landgerichtlichen Urteile.
Der klagende Anleger im ersten Verfahren erwarb im Dezember 2006 auf Empfehlung der Kundenberaterin der beklagten Sparkasse Zertifikate der Investmentbank Lehman Brothers. Hierbei handelte es sich um die so genannte „ProtectExpress“-Anleihe. Im September 2008 musste die Lehman Brothers Holdings Inc. und in der Folge auch die Emittentin, die Lehman Brothers Treasury Co. B.V., Insolvenz anmelden. Der Anleger begehrt nun von der Sparkasse Schadensersatz in Höhe von EUR 10.100,-- (eingesetztes Kapital zzgl. Ausgabeaufschlag). Das Landgericht Hamburg hat der Klage mit Urteil vom 23.06.2009 stattgegeben. Es hat zur Begründung ausgeführt, die beklagte Sparkasse habe es bei der Beratung des Anlegers pflichtwidrig unterlassen, ihn über die fehlende Einlagensicherung, die Höhe ihrer Gewinnmarge sowie ihr eigenes wirtschaftliches Risiko beim Absatz des Zertifikats aufzuklären. In diesem ähnlich gelagerten Verfahren hat das Landgericht Hamburg mit Urteil vom 01.07.2009 die beklagte Sparkasse zur Schadensersatzzahlung verurteilt. Die klagende Anlegerin erwarb im Oktober 2007 nach Beratung durch einen Filialleiter der Hamburger Sparkasse für EUR 10.000,-- zuzüglich eines Ausgabeaufschlags von EUR 100,-- Lehman-Zertifikate („Bull Express Garant Anleihe“). Auch hier ging das Landgericht davon aus, dass die Sparkasse die Pflicht verletzt habe, die Anlegerin bei der Anlageberatung über die Handelsspanne aufzuklären, die die Hamburger Sparkasse realisieren würde, wenn die Anlegerin diese Zertifikate kaufte. Damit sei es der Kundin nicht möglich gewesen zu beurteilen, ob die Bank sie allein kundenorientiert oder auch mit Blick auf das eigene Umsatzinteresse beraten würde.

Quelle: Hanseatisches Oberlandesgericht - PM vom 14.1.2010 von 14.01.2010
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