Straßenverkehrsrecht / Versicherungsrecht /
Artikelnummer: 09121136
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TOTALSCHADEN
Übersteigen die Reparaturkosten den Wiederbeschaffungswert eines Autos um mehr als 130 Prozent, liegt ein wirtschaftlicher Totalschaden vor. Es kann dann nur der Wiederbeschaffungsaufwand ersetzt werden. Es besteht keine Veranlassung, diese Grenze weiter auszudehnen, so das Amtsgericht München in seiner Entscheidung. Eine Überschreitung der 130 % - Grenze um 1,7 % sei insoweit nicht geringfügig.
Im Oktober 2008 war die Ehefrau des späteren Klägers mit dessen PKW Renault Scenic 1,9 dCi in München unterwegs. Verkehrsbedingt musste sie hinter einem anderen Auto halten, da Fußgänger die Strasse überquerten. In diesem Moment spürte sie einen Schlag gegen das Fahrzeug. Ein anderer Verkehrsteilnehmer war hinten rechts aufgefahren. Dabei wurde der Heckbereich rechts beschädigt. So wurde z.B. der Stoßfänger eingedrückt, ebenso die Heckklappe, die nicht mehr richtig schloss. Insgesamt ermittelte ein Sachver- ständiger Reparaturkosten in Höhe von 7.243 Euro. Diesen Betrag wollte der Autobesitzer ersetzt haben. Weder der Unfallverursacher noch seine Versicherung wollten jedoch eine solche Summe bezahlen. Schließlich sei das Auto nur noch 2.500 Euro wert. Auch die Wiederbeschaffung würde nur 5.500 Euro kosten. Die Versicherung zahlte daher nur 3.506 Euro. Das war dem Autobesitzer zu wenig. Für 3.000 Euro sei ein entsprechendes Fahrzeug nicht zu bekommen. Er wolle es daher reparieren lassen und weiter nutzen. Schließlich erhob er vor dem Amtsgericht München Klage über 4.243 Euro. Das Geicht wies die Klage jedoch ab: Übersteigen die voraussichtlichen Reparaturkosten den Wiederbeschaffungswert um mehr als 130 Prozent, so liege ein wirtschaftlicher Totalschaden vor. Dann könne lediglich der Wiederbeschaffungswert verlangt werden. Der Ersatz der Reparaturkosten sei unverhältnismäßig. Diese Überschreitung sei hier gegeben. Zwar liege nur eine Überschreitung um 1,7 Prozent vor. Es bestehe aber keine Veranlassung, die von der Rechtssprechung entwickelte Grenze weiter auszudehnen. Durch die 130 %-Grenze werde dem Wunsch des Autobesitzers, sein Auto zu behalten, weil er daran vielleicht hänge und mit ihm vertraut sei, hinreichend Rechnung getragen. Eine schrittweise weitere Ausdehnung würde nur zu großen Unbilligkeiten führen. Es sei schließlich auch keine unerhebliche Überschreitung. Umgerechnet würde es um 93 Euro gehen. Dies sei keine Bagatelle. Soweit der klagenden Autobesitzer einwende, er bekomme für 3.000 Euro kein gleichwertiges Auto, verkenne er, dass er durch den Verkauf noch 2.500 Euro Restwert erzielen könne. Ihm stünden daher 5.500 Euro zur Verfügung. Damit könne er ein gleichwertiges Fahrzeug kaufen. Die Versicherung habe daher korrekt abgerechnet.

Quelle: Amtsgericht München – PM vom 30.11.2009 von 20.05.2009
http://www.ag-m.bayern.de/ Externer Link
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