EDV-Recht / Gewerblicher Rechtsschutz / Urheber- und Medienrecht /
Artikelnummer: 08103106
Trennlinien
BULLY – DAS HOMONYM
Das Landgericht München I hat sich mit dem Homonym „Bully“ auseinandergesetzt und entschieden, dass durch die Verwendung des Wortes „Bully“ zur Bezeichnung eines Computerspiels keine Rechte des gleichnamigen Künstlers „Bully“ (Herbig) verletzt werden.
Der Kläger – ein bekannter deutscher Komiker – hatte gegen einen Softwarehersteller geklagt, weil dieser ein Computerspiel „Bully – Scholarship Edition“ bzw. „Bully – Die Ehrenrunde“ genannt hatte. Das sollte dem Spielehersteller verboten werden, da der klagende Komiker mit diesen – seiner Ansicht nach Gewalt verherrlichenden – Spielen nicht in Verbindung gebracht werden wollte. Das Gericht konnte eine Verwechslungsgefahr zwischen dem Künstlernamen und dem Spieletitel allerdings nicht erkennen. Der Komiker ist zwar – so die Richter – unter seinem Künstlernamen aus Film und Fernsehen durchaus bekannt und genießt insoweit auch einen gewissen Schutz. Andererseits sei ein ‚Bully’ eben nicht nur der Künstlername eines deutschen Komikers; gemeint sein könne etwa auch ein VW-Transporter, der Anstoß beim Eishockey – oder (in der Sprache unserer anglisierenden Jugend) gar ein Schläger, und zwar kein Eishockey-Schläger, sondern ein wüster Schlägertyp. Gerade daher rühre übrigens bedeutungsmäßig der Name des Spiels. Alles in allem also – so befanden die Richter – ein beschreibender Begriff, dessen Verwendung möglich sein muss. Dies insbesondere dann, wenn es sich nur um einen Bestandteil des Titels handele und der Gesamttitel unschwer erkennen lasse, dass die Sache mit dem klagenden Komiker nichts zu tun hat, da das Wort ‚Bully’ in einem anderen Kontext und mit anderer Bedeutung verwandt wird. Im Videospielbereich – so stellte das Gericht ferner fest – habe der Künstlername des Komikers im Übrigen keinerlei relevante Bedeutung. Auch eine Verwechslungsgefahr etwa zwischen den Titeln von Fernsehsendungen des klagenden Herbig mit dem fraglichen Spiel besteht nach Ansicht des Gerichts nicht, da die durch die fraglichen Spiele angesprochenen Verkehrskreise diesen – im Spielebereich nicht geläufigen Titel – nicht einfach aus dem Film- und Fernsehbereich übernehmen und auf den Komiker beziehen werden.

Quelle: Landgericht München I - PM 57/08 vom 28.10.2008 von 28.10.2008
http://www.justiz.bayern.de/gericht/lg/m1/ Externer Link
ArtikelübersichtFacebookNach oben