Familienrecht / Verbraucherschutz / Versicherungsrecht /
Artikelnummer: 08062108
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DIE HOFFNUNG AUF EINE RECHTZEITIGE WIEDERGENESUNG IST IM RAHMEN EINER REISERÜCKTRITTSKOSTENVERSICHERUNG NICHT MITVERSICHERT
Der Reisende darf mit der Stornierung nur warten, wenn mit einer Genesung bis zum Reiseantritt sicher gerechnet werden kann. Dies hat das Amtsgericht München entschieden.
Die spätere Klägerin buchte für die Weihnachtsferien 2006 für sich und ihren 13-jährigen Sohn eine Auslandsreise. Am 13.11.2006 erkrankte der Sohn an Diabetes, die stationär in einem Krankenhaus behandelt werden musste. Erst am 15.12.2006 stornierte die Mutter die Reise, da ihr zu diesem Zeitpunkt ausdrücklich vom Arzt gesagt wurde, ihr Sohn solle aus gesundheitlichen Gründen die Reise nicht antreten. Es fielen Stornokosten in Höhe von 1.722 Euro an. Die beklagte Versicherung, bei der die Mutter eine Reiserücktrittskostenversicherung abgeschlossen hatte, bezahlte davon nur 492 Euro. Sie war der Ansicht, die klagende Mutter sei verpflichtet gewesen, die Reise bereits am 13.11.1006 zu stornieren. Sie habe daher nur Anspruch auf die 20 Prozent des Reisepreises, die bei Stornierung zu diesem Zeitpunkt angefallen wären. Die Mutter wandte ein, ihr sei nach Auftreten der Krankheit vom Arzt mitgeteilt worden, die Reise sei nicht gefährdet. Deshalb habe sie nicht so früh stornieren müssen. Das Amtsgericht München wies die Klage der Mutter ab: Es sei in der Rechtssprechung weithin anerkannt, dass die bloße Hoffnung auf eine rechtzeitige Wiedergenesung nicht versichert sei. Dieses Risiko müsse die Versichertengemeinschaft nicht tragen. Dieser Grundsatz sei auch auf den vorliegenden Fall zu übertragen. Hier dürfe das Risiko einer erfolgreichen medikamentösen Einstellung des Patienten auf die Diabeteserkrankung nicht auf die Versichertengemeinschaft abgewälzt werden. Ein Abwarten mit der Stornierung stelle nur dann keine grob fahrlässige Obliegenheitsverletzung dar, wenn von ärztlicher Seite versichert werde, dass mit einer ordnungsgemäßen medikamentösen Einstellung bis zum Reiseantritt sicher gerechnet werden könne. Dazu wurde der behandelnde Arzt gehört. Dieser bestätigte zwar, dass er erst am 15.12.2006 ausdrücklich von der Reise abgeraten habe. Eine Versicherung bei Beginn der Behandlung der Sohn könne auf jeden Fall mit der Reisefähigkeit rechnen, habe er aber nicht abgegeben. Dies wohl auch deshalb, weil es keinen Ausnahmefall darstelle, dass eine Einstellung auf die Diabeteserkrankung nicht ohne Komplikationen erfolge. Da also von einer sicheren Reisefähigkeit bei Eintritt der Erkrankung nicht auszugehen war, hätte die klagende Mutter bereits am 13.11.2006 stornieren müssen. Mehr als die bereits gezahlten 492 Euro stehen ihr nicht zu.

Quelle: Amtsgericht München - PM vom 2.6.2008 von 20.09.2007
http://www.ag-m.bayern.de/ Externer Link
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