Familienrecht / Sozialrecht / Versicherungsrecht /
Artikelnummer: 08060605
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KICKEN AUF BOLZPLATZ FÄLLT IN DER REGEL UNTER SCHUTZ DER UNFALLVERSICHERUNG
Das Oberlandesgericht Hamm hat eine Unfallversicherung verurteilt, dem Kläger, der beim Fußballspielen auf einem Bolzplatz umgeknickt war, einen Entschädigungsbetrag in Höhe von ca. 8.500,-- Euro zu zahlen.
Im Juni 2002 hatte der Kläger mit seinem 5-jährigen Sohn sowie weiteren Vätern und Kindern auf einem Bolzplatz Fußball gespielt. Bei einem kämpferischen Einsatz um den Ball sei der klagende Vater nach seiner Darstellung sodann aufgrund einer Bodenunebenheit umgeknickt. Hierbei zog er sich einen Fußwurzelausriss am Knochen unter dem linken Fuß zu, der zu einer anschließenden Thrombose geführt hat. Das Landgericht hat eine Einstandspflicht der Versicherung verneint, da der Vater nicht bewiesen habe, dass ein "Unfall" im Sinne der Versicherungsbedingungen gegeben sei. Dieser Sichtweise ist das Oberlandesgericht nicht gefolgt: Der klagende Vater könne die Versicherung in Anspruch nehmen, da er sich durch einen "Unfall", also durch ein plötzlich von außen auf den Körper wirkendes Ereignis, unfreiwillig verletzt hat. Ein solches Unfallereignis liege schon dann vor, wenn das Umknicken während des Fußballspiels aufgrund einer Bodenunebenheit erfolgt ist. Hierfür spreche im vorliegenden Fall bereits der Umstand, dass das Fußballspiel auf einem sog. "Bolzplatz" stattgefunden hat. Solche Plätze befänden sich bekanntermaßen in einem schlechten Zustand und seien regelmäßig durch Bodenunebenheiten gekennzeichnet. Da es zudem vorliegend keinen Anhaltspunkt dafür gegeben habe, welche das Umknicken des klagenden Vaters ohne Bodenunebenheit hätten erklären können (z. B. Alkohol), sei die Versicherung im Ergebnis eintrittspflichtig gewesen. Ebenso könne sich die Versicherung nicht erfolgreich auf eine Leistungsfreiheit berufen, weil der Vater in seiner Schadensanzeige auf die Frage nach "Vorschäden" eine bei ihm gegebene Adipositas (Fettleibigkeit) nicht angegeben habe, da es sich hierbei nach Auffassung des Gerichts um keine anzuzeigende Krankheit handele.

Quelle: Oberlandesgericht Hamm - PM vom 29.5.2008 von 15.08.2007
http://www.olg-hamm.nrw.de/ Externer Link
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