Miet- und Wohnungseigentumrecht / Versicherungsrecht /
Artikelnummer: 08042517
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VOM BLITZ GETROFFEN
Ein Versicherungsnehmer muss der Versicherung erst Gelegenheit geben, den beschädigten Gegenstand zu begutachten, bevor er ihn reparieren lässt. Ansonsten muss die Versicherung nicht bezahlen. Dies hat das Amtsgericht München entschieden.
Der spätere Kläger hatte bei der beklagten Gesellschaft eine Brandversicherung abgeschlossen. Im Juli 2006 kam es zu einem Gewitter mit Blitzeinschlägen in der Nähe des Wohnhauses des Versicherungsnehmers. Nach dem Gewitter funktionierte die Heizungsanlage des Versicherungsnehmers nicht mehr. Der klagende Versicherungsnehmer war der Meinung, dass der Schaden an der Heizungsanlage auf einen blitzbedingten Überspannungsschaden zurück zu führen sei. Er teilte der Versicherung den Schaden mit. Ziemlich gleichzeitig beauftragte er auch eine Heizungsfirma mit der Reparatur der Heizanlage. Dem Sachbearbeiter der Versicherung war es daher nicht möglich, den Schaden zu begutachten. Als der Sachbearbeiter sich bei der Heizungsfirma erkundigte, ob er die ausgetauschten Teile sehen könne, wurde ihm mitgeteilt, dass diese bereits entsorgt seien. Als der Versicherungsnehmer dann die Kosten der Reparatur in Höhe von 3.466 Euro von der Versicherung bezahlt haben wollte, weigerte sich diese. Sie bestritt, dass der Schaden an der Heizungsanlage auf das Gewitter zurückzuführen sei. Außerdem habe der Versicherungsnehmer gegen das Veränderungsverbot verstoßen. Der Versicherungsnehmer erhob Klage vor dem Amtsgericht München. Der zuständige Richter gab jedoch der Versicherung Recht: Indem der Versicherungsnehmer die Beschädigung an der Heizungsanlage reparieren ließ, ohne die Versicherungsgesellschaft zuvor darüber zu informieren und ohne für die Aufbewahrung der ausgebauten beschädigten Teile zum Zwecke einer späteren Untersuchung durch die beklagte Versicherung zu sorgen, habe er gegen das in § 57 der Allgemeinen Brandversicherungsbedingungen (ABB) vereinbarte Veränderungsgebot verstoßen. Danach dürfe ein Versicherungsnehmer ohne Erlaubnis des Versicherers an dem durch das Schadenereignis geschaffenen Zustand keine Änderungen vornehmen oder dulden, die die einwandfreie Feststellung des Schadens erschweren. Für den Fall, dass Änderungen absolut notwendig seien, seien diese auf das Notwendigste zu beschränken und wenn möglich, die Genehmigung des Versicherers einzuholen. All das habe der Versicherungsnehmer versäumt. Als die beklagte Versicherung von der Reparatur erfuhr, sei sie bereits durchgeführt und die Teile nicht mehr vorhanden gewesen. Auch wenn man berücksichtige, dass eine Warmwasserversorgung schnell wiederhergestellt werden müsse, hätte der klagende Versicherungsnehmer zumindest die beschädigten Teile aufheben müssen.

Quelle: Amtsgericht München - PM vom 14.4.2008 von 28.09.2007
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