Anlegerschutz / Internetrecht /
Artikelnummer: 07081701
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LKA UND STAATSANWALTSCHAFT WARNEN VOR BETRÜGERISCHEM KAPITALANLAGEMODELL DER FIRMA 'PRIVATE COMMERCIAL OFFICE INC.' IM INTERNET
Wegen des Verdachts des schweren gewerbsmäßigen Betruges haben gestern Beamte des Landeskriminalamts Baden-Württemberg 12 Wohnungen und Büroräume von sieben Verdächtigen in Baden-Württemberg, Bayern, Frankreich und der Schweiz durchsucht.
Ein 58-jähriger Verdächtiger aus dem Landkreis Altötting/Oberbayern wurde festgenommen. Er soll als Europabeauftragter der „Private Commercial Office Inc.“ betrügerische Kapitalanlagen zum Nachteil einer großen Zahl von Anlegern koordiniert und abgewickelt haben. Ein 46-jähriger Geschäftsführer hat sich nach den Ermittlungserkenntnissen bereits vor Jahren in die USA abgesetzt und agiert von dort aus. Sein aktueller Aufenthaltsort ist nicht bekannt, gegen ihn besteht wegen anderer Betrugsdelikte ein internationaler Haftbefehl. Insgesamt waren über 60 Polizeibeamte im Einsatz. Sie stellten umfangreiche Beweismittel, wie z.B. PC-Anlagen, Datenträger und Schriftstücke sicher, die jetzt noch ausgewertet werden müssen. Der Internetauftritt des Unternehmens wurde gesperrt. Die Maßnahmen richten sich gegen insgesamt sieben Tatverdächtige, denen vorgeworfen wird, Kunden für die „Private Commercial Office Inc.“ mit Sitz in Cape Coral/Florida/USA vermittelt zu haben. Die Firma wirbt seit über zwei Jahren, anfänglich in überregionalen Tageszeitungen, zuletzt überwiegend im Internet, um Kapitalanleger. Den Anlegern werden monatliche Renditen zwischen 4 und 6 % versprochen, was bei einer regelmäßigen monatlichen Ausschüttung einer jährlichen Verzinsung von 48 - 72% entspricht. Darüber hinaus werden den in Deutschland tätigen Vermittlern jährliche Provisionen zwischen 12 - 40 % versprochen. Derartig hohe Renditen sind aller Erfahrung nach nicht realisierbar, schon gar nicht über einen längeren Zeitraum hinweg. In Deutschland wird die Kapitalanlage über ein abgestuftes System von Haupt- und Untervermittlern vertrieben, welche von den Anlagegeschäften mit dem Endkunden durch Provisionen profitieren. Die Anleger müssen einen so genannten „Letter of Intent“ unterschreiben und erklären, an einem Investment-Tradingprogramm teilnehmen zu wollen. In der Folge erhalten die Anleger ein so genanntes „Ioan agreement“, eine Darlehensvereinbarung in englischer Sprache mit der „Private Commercial Office Inc.“ als Darlehensnehmer und dem Anleger als Darlehensgeber. Als Garantie erhält der Kunde dann eine so genannte „Promissory Note“ (Schuldschein) in englischer Sprache, die angeblich von einem öffentlichen Notar in Florida/USA bestätigt worden sein soll. Die Anleger überweisen schließlich die Anlagesumme in US-Dollar entweder über die deutschen Vermittler oder direkt an eine Bank mit Sitz in Florida/USA. Durch diese Betrugsmasche werden Spekulationsgewinne an der Börse im so genannten Daytrading vorgetäuscht, ein Börsengeschäft, das mit sehr hohen Risiken verbunden ist. Beim Daytrading wird versucht, Gewinne an der Börse durch Tagesschwankungen von Aktienkursen beim An- und Verkauf zu erzielen. Dabei kommt es allerdings auch zu Verlusten. Tatsächlich gehen die Staatsanwaltschaft Mannheim und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg davon aus, dass es sich um ein typisches, schneeballartiges Betrugssystem handelt und die ausgezahlten Zinsen und Provisionen mit den Geldern von Neuanlegern bezahlt werden. Allein für das Bundesgebiet und die Schweiz dürfte der durch die „Private Commercial Office Inc.“ verursachte Schaden im Bereich von mindestens 100 Mio. USDollar liegen.

Quelle: Landeskriminalamt Baden-Württemberg - PM vom 1.8.2007 von 01.08.2007
http://www.lka-bw.de/ Externer Link
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